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Körperorientierte Methoden finden immer mehr Einzug in die Psychotherapie, vor allem seit das Human Potential Movement in den 70er Jahren sich Anregungen bei östlichen Methoden holte und diese in westlich wissenschaftliche Ansätze integrierte. Hierzulande ist der Stand der Entwicklung allerdings noch weit hinter den USA. Gute Literatur zum Thema ist selten. Das folgende Buch ist jedoch wärmstens zu empfehlen.


Kurzbeschreibung
Stabilität entwickeln - das eigene Potenzial entfalten Die Autoren stellen die psychischen Wirkfaktoren des Qigong dar und vermitteln in zahlreichen Übungen, Beispielen und anhand von Fotos, wie Qigong in Therapie und Selbstmanagement erfolgreich eingesetzt werden kann.

Klappentext
Qigong fördert Entspannung, Gelassenheit und innere Kraft, es unterstützt die körperlichen und seelischen Selbstregulationskräfte im Menschen. Indem die Übungen Bewegung, Atemführung, Imagination und Achtsamkeit verbinden, wirken sie ganzheitlich auf Leib und Psyche. Ihre positive Wirkung bei Stresserkrankungen, psychosomatischen und posttraumatischen Störungen werden mehr und mehr auch in der westlichen Medizin und Psychotherapie anerkannt und integriert.

Die in Methodik und Praxis erfahrenen Autoren stellen in ihrem Qigong-Basisbuch - die therapeutisch wirksamen Faktoren dar, die auch die aktuelle Hirnforschung bestätigt - zeigen anhand von Beispielen das breite Anwendungsspektrum auf - beschreiben Qigong als Methode, die psychisch stabilisieren und eine positive Selbstwahrnehmung fördern kann.

Das fundierte, lebendig geschriebene Buch unterrichtet in Psychotherapie und Beratung Tätige, Qigong-Lehrer und alle, die an körperorientierten Verfahren interessiert sind, über Anwendungsmöglichkeiten einer wirkungsvollen, 3000 Jahre alten Übungsform.

Qigong: Die Lebenskraft (Qi) durch Üben (Gong) zu stärken und in Fluss zu bringen, hat eine über 3000 Jahre alte Tradition in der chinesischen Medizin.

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Qigong und Psychotherapie

Ist Yiquan vereinfachtes Taijiquan?

Yiquan findet nicht zuletzt starken Zustrom von langjährigen Taiji-Übenden, die vor allem ihre Fähigkeiten im Tuishou und Freikampf verbessern wollen. Wenn man den Trainingsaufbau des Yiquan näher betrachtet, fällt sofort auf, dass es gewisse Parallelen zum Taiji gibt, vor allem in der Übung des Tuishou. Andererseits fehlen die langen und komplexen Formen des Taiji völlig. Es liegt daher die Frage nahe, ob man im Yiquan ein „vereinfachtes Taiji“ sehen kann. Dazu wollen wir die beiden Künste und den Aufbau des Trainings näher betrachten und anschließend Gemeinsamkeiten und Unterschiede zusammenfassen.

TAIJIQUAN („das Höchste Letzte“, symbolisch dargestellt durch ein Symbol, das Yin und Yang, die beiden ineinander übergehenden Polaritäten zeigt) ist eine Kampfkunst der Neijia, der so genannten „Inneren Schule“. Als legendärer Begründer der inneren Kampfkünste und damit auch des Taijiquan wird der daoistische Mönch Zhang Sanfeng betrachtet. Der Legende nach entdeckte er die Prinzipien der inneren Kampfkünste in den Wudang Bergen, nachdem er den Kampf zwischen einer Schlange und einem weißen Kranich beobachtet hatte. Zhang Sanfeng soll zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert gelebt haben, aber seine historische Existenz ist nicht belegt. Verlässlich lässt sich die Geschichte des Taijiquan bis etwa zur Mitte des 16. Jhd. zurückverfolgen. Damals schrieb Qi Jiguang „Die 32 Arten der Boxformen“. Obwohl darin kein Taijiquan erwähnt wurde, enthält das Buch dennoch einige Techniken und Namen, die auch heute noch im Taijiquan zu finden sind.
Mitte des 17. Jhd. tauchte im Dorf Chenjiagou ein Boxstil auf. Zum Ursprung des Stils gibt es verschiedene Ansichten. Der Überlieferung der Familie Chen zufolge wurde der Stil von Chen Wangting aus seinen bestehenden Kenntnissen der Kampfkünste entwickelt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Grundlage für die so genannten 5 Familienstile gelegt:

  • Chen Stil
  • Yang Stil
  • Wu/Hao Stil
  • Wu Stil
  • Sun Stil

Im Zentrum des Taijiquan Trainings steht die Form, eine je nach Stil unterschiedlich lange Abfolge einer großen Anzahl von Bewegungen, die Kampftechniken repräsentieren. Bedauerlicherweise hat das Taijiquan in neuerer Zeit im Westen eine Entwicklung durchgemacht, die es von den Wurzeln der Kampfkunst entfernt hat. So verstehen viele Übende heute die Bedeutung der Techniken nicht und üben vor allem zur Gesundheitspflege. Vielen ist sogar nicht klar, dass es sich bei Taijiquan um eine Kampfkunst handelt. Das zeigt auch der Umstand, dass die Frage nach dem Unterschied zwischen Taiji und Qigong sehr häufig gestellt wird.
Viele der einzelnen Bewegungen werden nur in eine Richtung geübt und kommen in der Form entweder nur einmal vor oder werden während des gesamten Ablaufs einige wenige Male wiederholt. Die Bewegungen werden langsam, leicht, fließend und entspannt ausgeführt. Die Betonung liegt dabei auf der Entspannung.
Bei den Schritten dominiert die eher weite Schrittstellung des Bogenschrittes. Die Gewichtsverteilung erfolgt fließend von ganz voll zu ganz leer, im Sinne des Wechsels von Yin und Yang. Die Schritttechnik wird innerhalb der Form und nicht separat geübt. Alle Übungen sind in der Form festgelegt und werden nicht frei kombiniert. Von einigen Meistern wurde berichtet, dass sie auch Einzelteile der Form separat übten (z.B. Wolkenhände, Affen verjagen), normalerweise wird aber nur die jeweilige Form mit einem Zeitaufwand von ca. 10-20 Minuten durchgeübt.
Die Bewegungen werden für gewöhnlich mit der Atmung koordiniert, z.B. hebende, öffnende, zurückziehende Bewegungen mit der Einatmung; senkende, schließende, vordringende Bewegungen mit der Ausatmung.
Beim Tuishou (Pushhands) wird vorwiegend mit einer Hand und mit statischer Schrittposition, also ohne Schritte geübt. Die Strategie ist eher passiv, es wird eine Aktion des Gegners abgewartet und dann reagiert. Die Arme werden dabei möglichst entspannt und locker gehalten. Grundsätzlich wird die Kraft des Gegners durch Zurückweichen bis zum Totpunkt aufgenommen und in einer kreisförmigen Bewegung zurückgegeben (Wechsel Yin/Yang), anhand des Taiji Symbols kann Taijiquan als die S-förmige Linie zwischen der Yin und der Yang Hälfte dargestellt werden.
Zhanzhuang wurde auch immer wieder mit Taijiquan (wie auch mit anderen Künsten der Neijia) in Verbindung gebracht, spielt aber heute in den meisten Schulen eine untergeordnete Rolle oder wird überhaupt nicht unterrichtet oder geübt. Wenn Zhanzhuang praktiziert wird dann ebenfalls meist mit Betonung auf Entspannung und mit vorwiegend meditativem Charakter.

YIQUAN („Geist Boxen“, Yi – „Vorstellungskraft“, Quan – „Kampftechnik, Boxen“) wurde im 20. Jhd. von Wang Xiangzhai (1885-1963) vor allem aus dem Xingyiquan entwickelt. Wang formulierte damals eine radikale Kritik an den traditionellen Kampfkünsten und beklagte vor allem, dass es durch zu starke Betonung des Übens unrealistischer und mit nutzloser Theorie überfrachteter Formen zur Vernachlässigung der grundlegenden Prinzipien und der realistischen Kampffähigkeit kam. Schon der Name zeigt dass die Form (Xing) weggelassen wurde und dem Yi die zentrale Bedeutung zugeschrieben wurde. Es gibt also keine Form wie beim Taiji sondern sieben Kategorien von Übungen:
1. Zhanzhuang: auch „Stehende Säule“, „Stehmeditation“, „Stehen wie ein Baum“, bildet die Basis des Yiquan Trainings. „Hat man Zhanzhuang verstanden, hat man 50% des Yiquan verstanden“ (Jumin Chen).
2. Shili: „Kraftprobe“, „Kraft kosten“, sozusagen Zhanzhuang in Bewegung, d.h. mit einer größeren Bewegungsamplitude.
3. Mocabu: „Reibeschritt“ ist die grundlegende Schritttechnik im Yiquan.
4. Fali: „explosive Kraft“. Aus der Entspannung heraus wird in der Kampfanwendung explosive Kraft freigesetzt.
5. Shisheng: Beim Shisheng wird durch das Produzieren von Lauten die Atmung und innere Struktur trainiert.
6. Tuishou: „Schiebende Hände“ und ist auch als „Pushhands“ bekannt. Hierbei handelt es sich um eine Partnerübung, bei der versucht wird, unter Beibehaltung der eigenen Struktur und Stabilität „Lücken“ beim Partner zu finden und diesen zu destabilisieren und zu kontrollieren. Im Gegensatz zum Taiji Pushhands wird im Yiquan auch mit beiden Händen und in Verbindung mit Schritten gepusht. Dadurch wird die Übung realistischer und kann fließend in die nächste Stufe, den Freikamp übergehen.
7. Sanshou: freie Anwendung der Yiquan Prinzipien im Freikampf.
Yiquan ist also ganz klar eine Kampfkunst, wird laut Yao Chengguang jedoch weder zur Neijia (innere Schule) noch zur Weijia (äußere Schule) zugeordnet sondern nimmt eine Zwischenstellung ein.
Darüber hinaus Yiquan jedoch auch als Qigong System zur Gesundheitspflege geübt. Hier gibt es eine klare Unterscheidung zwischen dem Training zur Kampfanwendung und dem zur Gesundheitspflege (Yiquan Yangsheng). Für letztere werden vor allem die ersten 3. Übungskategorien geübt. Auch bei der Schrittposition (Pingbu oder Parallelstand) und bei der Vorstellung („Yin“ Vorstellungen, angenehme Visualisierung von Natur u.ä.) gibt es Unterschiede zum Kampftraining (Jiji Zhuang in Dingbabu; Yang Vorstellungen, z.B. Metallfedern).
Die einzelnen Übungen werden immer in beide Richtungen geübt und sind frei kombinierbar (z.B. verschiedene Shili, Shili in Kombination mit Schritten, bis hin zum ganz freien Ausdruck im Jianwu oder „Gesundheitstanz“). Einzelne, „einfache“ Übungen werden über einen längeren Zeitraum geübt, z.B. über die Dauer die das Durchlaufen der gesamten Taiji Form einnimmt. Die Betonung liegt auf innere Qualität und genaue Wahrnehmung. Die Bewegungen werden ebenfalls langsam und fließend ausgeführt (außer Fali und Sanshou), die Betonung liegt auf der Vorstellungskraft, die eine innere Struktur aufbaut.

Auch die Polarität von Yin und Yang ist ein zentrales Element, die beiden widerstreitenden Kräfte sind jedoch immer gleichzeitig anstatt in klarem Wechsel von ganz voll zu ganz leer vorhanden.

Bei den Schritten dominiert eine natürliche, nicht zu weite und nicht zu enge Schrittstellung. Im Parallelstand (vorw. Gesundheitspflege) ist die Gewichtsverteilung 50/50; im T8 Schritt (Kampfanwendung) ist sie 70 (hinten)/30 (vorne). Durch die Vorstellungskraft mit widerstreitenden Kräften wird eine innere Struktur erhalten. Das Gewicht ist auf dem vorderen Teil des Fußes, die Waden sind unter einer gewissen Vorspannung. Die Schritte können frei kombiniert werden, Richtungsänderungen in alle Richtungen sind möglich. Die grundlegende Schritttechnik (Mocabu) wird mit verschiedenen Übungen (Shili, Tuishou) kombiniert.

Die Atmung ist natürlich und wird nicht speziell mit den Bewegungen koordiniert.

Im Tuishou wird vor allem mit beiden Armen gearbeitet, allerdings gibt es auch eine einhändige Übungsform. Das Pushen erfolgt nicht statisch sondern in freier Kombination mit Schritten, wodurch es realistischer wird und fließend ins Sanshou (Freikampf) übergehen kann. In der Haltung ist eine klare, stabile innere Struktur, trotz grundsätzlicher Entspannung spielt die „Zeigekraft“ eine wichtige Rolle. Beim Tuishou und Sanshou gilt der Grundsatz des „ständigen, unaufhaltsamen Vorandringens“, der Gegner wird ständig unter Druck gesetzt. Yiquan ist sehr direkt und geradlinig, anhand des Taiji Symbols kann Yiquan als die gerade Verbindung zwischen den beiden Punkten dargestellt werden.

Der Praxis des Zhanzhuang spielt, wie oben erwähnt, eine zentrale Rolle. Durch komplexe Vorstellungsarbeit wurde diese Methode im Yiquan perfektioniert und hilft unter anderem, den Körper zu einer Einheit mit einer starken inneren Struktur zu formen. Der Einsatz von Yi ist von zentraler Bedeutung, das heißt Inhalt geht vor äußere Form. Zhanzhuang ist die Hauptpraxis für Anfänger wie Fortgeschrittene.

Aspekt Taijiquan Yiquan
Geschichte/Ursprung Ca. 16 Jhd. nachweisbar; Ursprung unklar, mehrere Stile 20. Jhd., Wang Xiangzhai, ein Stil
Schule Neijia Laut Yao weder Neijia noch Weijia; sonst meist zu Neijia gezählt
Stile Fünf Hauptstile (Noch) einheitlich
Hauptpraxis Form Zhanzhuang (keine Form!)
Wushu/Qigong Oft unklar Klare Unterscheidung der Kampfkunst-Methoden und der Gesundheitspflege-Methoden
Übung Genau vorgegeben; nur in der Form; oft nur eine Seite; eine bis wenige Wiederholungen Frei kombinierbar; beide Seiten; oft nur eine Übung in vielen Wiederholungen
Innere Qualität Maximal entspannt, leer; leicht, langsam, fließend Mit Yi, mit innerer Struktur, mit Inhalt; leicht, langsam, fließend
Schritte Eher weit, Gewichtsverlagerung von ganz voll zu ganz leer, nicht eigens geübt, in Form festgelegt, nicht frei kombiniert Schrittstellung natürlich, 50/50 bzw. 70/30, innere Struktur, frei kombinierbar, eigens geübt
Atmung Mit Bewegung koordiniert Natürlich
Tuishou Vorw. Einhändig, statisch, entspannt/leer/passiv, kreisförmig Energie aufnehmen und wieder abgeben, wenig realistisch in Bezug auf Kampfanwendung Vorw. beidhändig, mit Schritten, innere Struktur, Zeigekraft, ständiges Vorandringen, aktiv, geradlinig, realistisch – fließender Übergang in Freikampf
Zhanzhuang Heute kaum Bedeutung, hauptsächlich als Stehmeditation Hauptpraxis, komplexe Vorstellungsarbeit

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es trotz einiger weniger Parallelen wesentliche Unterschiede zwischen Taijiquan und Yiquan gibt und Yiquan keinesfalls als vereinfachtes Taijiquan betrachtet werden kann. Vielmehr handelt es sich um eine völlig eigenständige Methode deren Trainingsaufbau und Anwendung sich in wesentlichen Punkten stark unterscheidet. Darüber hinaus liegen die Wurzeln des Yiquan im Xingyiquan und nicht im Taijiquan.

Wikipedia hat die Antwort auf (fast) alle Fragen, jetzt gibt es auch Infos zu Yiquan.

http://de.wikipedia.org/wiki/Yiquan

Feinmechanik

Feinmechanik mit Jumin Chen

Erste Lehrerausbildung der Europäischen Yiquan Akademie

Im zweiten Block der Yiquan Ausbildung ging es vor allem um die Feinheiten der inneren Arbeit bei Zhanzhuang und Shili.
Wenn wir ganz an der Basis beginnen, können wir grundsätzlich zwischen willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen im menschlichen Körper unterscheiden.
Die unwillkürlichen Bewegungen laufen gänzlich ohne unser Zutun ab, z.b. die Darmbewegungen, der Schluckreflex, das Gähnen, usw. Auch eine Vielzahl täglicher Handlungen und Einzelbewegungen sind automatisiert und funktionieren ohne dass wir bewusst bei der Sache sind, man denke nur an die einzelnen Bewegungen beim Autofahren, im Sport, beim Tippen am Computer u.ä.

Bei den willkürlichen Bewegungen gibt es ebenfalls zwei Unterscheidungen. Zum einen können wir bewusst eine Bewegung ausführen, wie etwa wenn wir nach etwas greifen und uns dessen bewusst sind, weil wir zum Beispiel überlegt haben, ob es in Ordnung oder erlaubt ist, dass wir diesen Gegenstand in die Hand nehmen. Wir sind dann bewusst, setzen aber keine Vorstellungskraft ein.
Die zweite Art der willkürlichen Bewegung ist eben jene mit Yi, wie wir sie etwa im Shili anwenden. Dabei arbeitet nicht nur der primär betroffene Muskel, z.B. der Bizeps, sondern nach dem Prinzip der widerstreitenden Kräfte auch sein Gegenspieler, in diesem Fall der Trizeps. Laut Physiologie ist der Agonist übrigens immer beteiligt um eine kontrollierte Bewegung zu ermöglichen, durch den Einsatz von Yi wird seine Aktivierung aber verstärkt.
Es wird also Yi (Vorstellung) und Li (Kraft) eingesetzt.

Beim Kraftaufbau unterscheiden wir drei Stufen:

  1. Entspannen
  2. Entspannen und Anspannen
  3. Entspannen und Anspannen zugleich

Diese Stufen sind wichtig für unsere Praxis im Zhanzhuang und Shili. Zu Beginn sind wir immer zu verkrampft, wenden zuviel Kraft auf. Die erste Aufgabe beim Stehen ist also die Entspannung und das Lösen von Blockaden.
In der zweiten Stufe wechseln wir bewusst von Entspannung zu Anspannung. Arbeiten wir zum Beispiel im Shili mit der Bewegung vor /zurück, so schieben wir mit einer gewissen Spannung nach vorn, entspannen, ziehen wieder mit etwas Spannung zurück und entspannen wieder. Dabei ist der Unterschied von Anspannung und Spannung sehr gering, denn Anspannung heißt mit Vorstellung (fast) ohne Kraft, und auch die entspannte Haltung erfordert immer eine gewisse Grundspannung. Nach dem Üben einer Richtung können wir eine zweite dazunehmen, z.B. vor + schließen, entspannen, zurück + öffnen, entspannen.

Für die Endform wurden von Wang Zhangzhai sieben wichtige Punkte erklärt:

  1. Oben entspannt und unten angespannt
  2. Gen (“Wurzel” also Rumpf und Beine) entspannt, Shao (“Zweige, Endung” also Hände, Füße) angespannt
  3. Schulter entspannt und Gesäß angespannt
  4. Arme entspannt, Beine angespannt
  5. Brust entspannt, Bauch angespannt
  6. Rücken entspannt, Hüfte (Kua) angespannt
  7. Xing (Form, Körperhaltung) entspannt und Yi (Vorstellung) angespannt

Kenneth Cohen

At my first private class, Chan revealed a “secret technique” called “Standing Meditation” (Zhan Zhuang). He said that it was the most important exercise in qigong. I stood with bent knees, straight back, and arms rounded in front of my chest. After ten minutes, my legs began shaking. Chan told me to take a break. We sat together and chatted about martial arts. Then I tried it again, with the same effect. He told me that, in the beginning stages of qigong, shaking was natural. “It means that there’s water in the pressure cooker, but the lid is not properly sealed or tight- it is bobbing up and down. In other words, your body is not yet strong or stable enough to hold the qi.” He told me to go home and practice every day. At next week’s lesson, I could stand for twenty minutes, but then both my hands and legs shook! This went on every week, stand a little, shake a little. I felt like a fool. But until I could stand for a full hour, without moving, he wouldn’t teach me anything else. “If you can’t stand, how can you walk or move? If you don’t have enough energy to stand for an hour, how can you practice martial arts?” He told me that to master qigong, you must master the “Four Virtues” (Si De): lying, sitting, standing, and walking.

(Quelle: http://www.qigonghealing.com/qigong/articles.html)

“Der Weg des Qiquan verläuft geradlinig, nur der Einstieg ist schwer zu finden”.

Auf Grund der Charakteristik der Methode stellt das Unterrichten von Yiquan den Lehrer genauso vor eine Herausforderung wie den Schüler das Erlernen. Einige methodische Kunstgriffe können diesen Prozess erleichtern und erfolgreich gestalten helfen.

Wenn man Anfänger in Yiquan unterrichtet ist man sofort mit einer Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert, die sich aus der Charakteristik der Yiquan Trainingsmethode ergeben. Im Gegensatz zu anderen Kampfkünsten oder Qigongmethoden gibt es im Yiquan keine der oft langen und genau strukturierten Übungsreihen wie etwa “die 18 Lohan Hände”, “die acht Brokate”, die “zehn Meditationen” oder den teilweise sehr langen Formen im Taiji. Solch strukturierte Übungsformen machen die Methodik für den Lehrer einfach - man beginnt am Beginn und arbeitet sich langsam vor, vielleicht jede Einheit um eine oder zwei Bewegungen. Bei den langen Taiji Formen kann man so seine Schüler für einige Zeit als Kunden binden, schließlich will ja die ganze form vollständig erlernt werden. Das ist vor allem günstig für den Lehrer, zumindest von der finanziellen Seite her.
Ein Nachteil dieses Ansatzes wurde von Wang Xiangzhai in seiner radikalen Kritik der Kampfkünste formuliert: das Üben der (äußeren) Formen geht zu Lasten des Inhalts, d.h. der inneren Qualität und Prinzipientreue des Übens. Außerdem ist der Lerneffekt für den Lehrer (wenn man von der Vorstellung ausgeht, dass auch der Lehrer vom Schüler lernt) bei dieser Vorgangsweise bestenfalls gering.
Konsequenterweise wurde in der Yiquan Methode auf solche Formen verzichtet. Zwar gibt es auch hier einen Anfang, nämlich das Zhanzhuang, nach etwas tieferem Verständnis der Methode wird jedoch bald klar, dass hier eigentlich schon alles präsent ist. Natürlich kann der Schüler dieses Verständnis erst mit der Zeit entwickeln. Sofort sind wir mit der nächsten Schwierigkeit konfrontiert. Wir erklären die Grundform des Zhanzhuang und verlangen vom Schüler, dass er/sie “einfach nur” dasteht und “nichts tut” weil er dann “alles tut”. diese Übung ist in der Tat so unkonventionell, ja geradezu befremdlich, dass der Schüler wirklich sehr aufgeschlossen und lernwillig sein muss und ein gehöriges Maß an Vertrauen in den Lehrer aufbringen muss.
die nächste Schwierigkeit lässt nicht lange auf sich warten. Das Stehen ist nämlich sehr anstrengen. Fünf Minuten sind bereits eine große Herausforderung. Wie soll also der Unterricht gestaltet werden, wenn die Schüler bereits nach wenigen Minuten die grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht haben?
Dazu kommt noch, dass die Übung einfach aussieht, eigentlich aber sehr komplex ist. Am Anfang müssen wir uns auf wesentliche Elemente beschränken. Die Fehler bei den Schülern sinc zahlreich und leicht zu erkennen, der Lehrer wird sich aber darauf beschränken müssen, nur die gröbsten “Sünden” nach und nach zu korrigieren. Es benötigt eifach einen erheblichen Zeitfaktor bzw. eine gehörige Quantität der Übung um gute Qualität zu erreichen. Die Schüler müssen also Geduld aufbringen und beharrlich üben. Wie kann man aber immer wieder mit der gleichen Übung kommen, wo die meisten modernen Menschen möglichst schnell etwas lernen und möglichst abwechslungsreich unterhalten werden wollen?
Dazu kommt noch, dass die autokorrektive Wirkung des Stehens zuerst einmal unangenehme Gefühle beschert, indem sie nämlich Verspannungen und Blockaden noch verstärkt und deutlich spürbar macht. Der Schüler verspürt also zuerst eine unangenehme Wirkung, wahrscheinlich wollte er eigentlich Verspannungen los werden und jetzt werden sie noch schlimmer! Das Vertrauen in Lehrer und Methode wird wieder stark beansprucht. Und wieder ist ein erheblicher Zeitaufwand vonnöten um diese “Bitterstufe” hinter sich zu lassen und die “Süßstufe” zu erreichen.

Welche Möglichkeiten ergeben sich also vom Aufbau der Unterrichts her?
Wie immer wird es wohl wichtig sein, dass der Lehrer authentisch bleibt, Verständnis für die Probleme der Schüler hat (aus der eigenen Lernerfahrung!), und kreative Strategien zur Problemlösung findet.
Zur Schwierigkeit der geringen anfänglichen Ausdauer beim Stehen bieten sich an die Dauer der Einheit nicht zu lange zu wählen, mehr Zeit für Vorbereitungs- und Abschlussübungen (wichtig für Entspannung) einzuplanen, Zhanzhuang Positionen abzuwechseln und eventuell in einer Abfolge zu üben, abwechslungsreiche Hilfen zum Verständnis der Übungen einzubauen,
- öfter Partnerübungen durchführen, sodass jeweils nur eine Person übt, die andere durch beobachten und korrigieren jedoch auch einen Lerneffekt erzielt
- Zhanzhuang abwechselnd im Stehen, Sitzen und Liegen üben
- Übungen mit Theorie auflockern: theoretische Hintergründe zu Yiquan, Geschichte, Anekdoten,Lehrgeschichten, Philosophisches, mögliche Erklärungen er Wirkung aus westlich medizinischer Sicht, und vor allem entspannenden Humor!
- Zhanzhuang Positionen abwechseln, vor allem leichtere Positionen (Arme tief) den schwereren folgen lassen
- zwischendurch Übungen mit mehr Bewegung einbauen, z.B. “Fensterputzen”
- bald mit Mocabu beginnen, damit etwas Gehbewegung in das Training kommt und die untere Extremität miteinbezogen wird.
- zwischendurch lockern und ausschütteln
- in der Vorstellungsarbeit anfangs auf das Lösen der Verspannungen konzentrieren
- längere Abschlussübungen mit Gesichtsmassage und Abklopfen einplanen
- angenehme Musik verwenden

Trotz dieser Schwierigkeiten und der großen Herausforderung an Lehrer und Schüler gibt es immer wieder sehr gute Erfolge und die Methode verbreitet sich zunehmend in Europa. Förderlich ist hier vielleicht nicht zuletzt der Umstand, das sich Yiquan auch gut mit westlichem rationalem Denken vereinbaren lässt und ohne die blumig esoterische Sprache des konventionellen Qigong auskommt. Auch ein gewisser Leistungsfaktor mag hier durchaus ein Ansporn sein, denn eine halbe Stunde joggen kann man bald, aber eine halbe Stunde Stehen ist schon eine ungewöhnliche Leistung.
Ist der Einstieg erst gefunden ist dem Weg des Yiquan leicht zu folgen!

Schwierigkeiten:
- es gibt keinen vorgegebenen Aufbau wie beim Erlernen von Übungsformen bzw.- reihen
- alles ist sofort da, man beginnt zwar mit dem Stehen, der volle Umfang dieser Methode und Zusammenhänge können noch nicht erkannt werden.
-die Stehübung ist so unkonventionell, der Schüler mus sehr lernwillig und offen sein und viel Vertrauen in den Lehrer haben
- stehen ist anstrengend, am Anfang sind 5-10 min schon viel
- es entstehen zuerst unangenehme Gefühle - Bitterstufe
- die Übung kann einerseits schnell erklärt werden, die Details wären dennoch umfangreich und können nicht gleich aufgenommen werden
- es braucht eine lange Zeit und Quantität der Übung um Qualität langsam zu verbessern. In dieser Zeit muss man in der Übung “am Ball” bleiben und die Schüler bei der Stange halten
- es gibt Widerstände, schmerzen durch Verspannungen, Zweifel an der seltsamen Übung

Abhilfe
- abwechselnd unterrichten
- Übung mit Theorie auflockern: Hintergrundwissen, Philosophisches, Humor!, theoretische Erklärungen, Betrachtung aus westlich - medizinischer Sicht
- Partnerübungen, es übt immer nur einer, der andere lernt trotzdem
- abwechseln von Zhanzhuang im Stehen, sitzen und liegen.
- abwechseln von Positionen, eventuell Abfolgen von Positionen üben
- bald Mocabu einführen, damit auch in den Beinen Bewegung und Abwechslung, Arbeit auch in der unteren Extremität
-anfangs länger bei Vorbereitungsübungen bleiben
- zwischendurch ausschütteln, lockern, gegenseitig ausklopfen
- längere Abschlussübungen, Gesichtsmassage, etc.
- eventuell einfache Qigong Übungen einbauen, keinesfalls jedoch Methoden vermischen!

Wörtlich übersetzt bedeutet Yiquan (sprich: I-Chüän) “Geist-Boxen”. Yiquan ist gleichermaßen ein innere Kampfkunst, eine Richtung des Qigong, sowie ein äußerst effizientes System zur Pflege der vitalen Kräfte und des Chan (Zen).

Seit seiner Entwicklung versteht sich Yiquan als Methode einer kontinuierlichen Kultivierung und des Trainings durch Entfaltung der natürlichen instinktiven Fähigkeiten des menschlichen Körpers und seiner mentalen Fähigkeiten. Diese natürlichen instinktiven Fähigkeiten sind die höchste Reflexion unseres ursprünglichen Geistes und bringen dessen potenzielle körperlichen und mentalen Fähigkeiten zur vollen Entfaltung. Kurz gesagt ist Yiquan das Streben nach einem gesunden Körper und Geist.

Viele körperlichen und geistigen Übungssysteme verschiedenster Kulturen erheben auch heute noch den selben Anspruch. Die Entstehung der fernöstlichen Gesundheits- und Kampfkünste verliert sich jedoch im Dunkel vergangener Jahrtausende und dadurch auch deren Kern. Viele Übungsformen zur Kultivierung der Inneren Kraft, der Vitalität und des menschlichen Geistes haben sich, ausgehend von ihrer gemeinsamen Wurzel, in unzählige Äste verzweigt. Viele der alten Geheimnisse wurden über die ehrenwerten Ahnenlinien in unsere heutige Zeit übertragen, andere wiederum gingen in zerbrochenen Ahnenlinien verloren. Die Perlen dieser Künste sind heute meist in vielen Systemen verborgen und müssen durch Entwicklung eines tiefen Verständnisses der facettenreichen Systeme und der zugrundeliegenden Grundprinzipien mühsam zusammengetragen werden. Durch Verluste bei der Übertragung von einer Generation auf die nachfolgende und eines geminderten Anspruches sind viele der fernöstlichen Künste zu reinen Tanzformen degeneriert und das nicht nur im Westen, meist mit dem Fokus auf äußerlich anmutig erscheinende Bewegungsabläufe und Routinen, geschmückt mit mystischen Konzepten und Begriffen.
Wang Xiangzhai (1885-1963), der Begründer des Yiquan, war seinerzeit ein berühmter Meister der Kampfkunst, des Qigong und der chinesischen Heilkunst. Seine Kampfkunstfähigkeiten wurden legendär. Er widmete sein Leben der Suche nach der Essenz der inneren Kampfkünste (Neijiaquan) und der Systematisierung ihrer Prinzipien. Wang erkannte, dass sogar in den Kampfkünsten zu großer Wert auf körperliche Bewegungsabfolgen gelegt wurde und die inneren Prinzipien des Aufbaus der inneren Kraft kaum noch Beachtung fanden. Er war der tiefen Überzeugung, dass alles Wissen einem jeden Menschen zugänglich sein müsse und es keine Geheimnisse geben sollte, die nur wenigen “Auserwählten” offenbart werden. Er enthüllte aus dieser Überzeugung heraus die Kernprinzipien und speziellen Übungsformen der Inneren Kampf- und der Gesundheitskünste, welche die Meister seit Jahrtausenden in intimen Ahnenlinien nur an auserwählte Meisterschüler weitergaben und machte sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Meister Wang betonte stets, dass die rechte Kampfkunst zurück an die Wurzeln der Kultivierung dieses menschlichen Lebenspotenzials gehen sollte. In seinem inneren Aspekt vereint Yiquan in sich die Essenz der drei inneren chinesischen Kampfkünste Taijiquan, Xingyiquan und Baguazhuang: die Schulung des Geistes und den Aufbau der inneren Kraft. Vom Xing Yi Quan übernahm Meister Wang im Wesentlichen die Mechanismen der inneren Kraft, im äußeren Aspekt die Körperhaltung und Struktur. Vom Taijiquan entlehnte er u.a. die Fähigkeiten des Attackierens, des am Gegner “Klebens”, die Fähigkeit Kraft aufzunehmen und diese zu transformieren, die “hörenden” Hände und die Fähigkeit, sich den Bewegungen des Gegners harmonisch anpassen zu können. Aus dem Baguazhuang stammen beispielsweise die fließenden Schritttechniken, welche die Wahrnehmungsfähigkeit der unteren Gliedmaßen und die Dynamik der Beinarbeit entwickeln. Die meditativen Aspekte des Chan (Zen), die Übungen zur Kultivierung des Chi und des Aufbaus der inneren Kraft bilden den Kern des Yiquan. Dadurch wurden uralte Trainingsprinzipien wieder in einen systematischen Zusammenhang gebracht und können heute jedes andere System, sei es aus dem Bereich der Kampfkunst, der Gesundheitspflege oder einer jeden Sportart, in seiner Effizienz nachhaltig verbessern. Die Essenz der drei inneren Kampfkünste besteht jedoch keinesfalls aus einer Mischung von einzelnen Figuren, Bewegungen oder Prinzipien. Durch sein Studium und Forschen hat Wang vielmehr den Kern der inneren Kampfkunst an sich interpretiert.
Die Übungen des Yiquan sind dabei äußerst einfach und klar. Für den Betrachter ähneln die Übungen sehr stark diversen Formen des Qigong und Taiji, sind jedoch leichter zu erlernen, wie bspw. das Taiji. Aber eben in ihrer Einfachheit und Klarheit liegt ihre enorme Wirkkraft oder wie Meister Wang es formulierte: “Das Gewöhnlichste ist das Ungewöhnlichste”. Im Yiquan spielt die Pflege der körperlichen und geistigen Gesundheit eine übergeordnete Rolle. Ein stabiler Gesundheitszustand ist die Basis für ein erfülltes Wirken in- und außerhalb der Kampfkünste. Die Übungen können im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen ausgeführt werden. Sie lassen sich darüber hinaus sehr leicht in den Alltag integrieren und benötigen keinen speziellen Übungsraum. Der wesentlichste Aspekt im Yiquan-Training ist die Schulung und Kultivierung des Geistes sowie der “inneren Kraft”. Dies entwickelt einen Zustand tiefgehender Ruhe und Entspannung sowie starker Vitalität und ermöglicht es bspw. in der Kampfkunstanwendung, unmittelbar, kraftvoll und spontan zu handeln, ohne dabei auf einstudierte Techniken angewiesen zu sein. Dabei verzichtet Yiquan auf alle überflüssigen, d.h. nicht auf den Aufbau der inneren Kraft gerichteten Übungen. Dadurch unterscheidet es sich fundamental vom gewöhnlichen Muskel- bzw. Krafttraining. Durch die nunmehr fast 80 jährige Praxis hat sich gezeigt, dass das System sowohl eine starke positive Wirkung auf die Gesundheit wie auch auf die Kampfkunstfähigkeiten (Gongfu) ausübt. Aufgrund der außergewöhnlichen Fähigkeiten der Yiquan-Praktizierenden in Bezug auf ihr Gongfu nannten einige besonders euphorische Schüler von Wang Xiangzhai, allerdings gegen seinen Willen, dessen Kunst “Dachengquan” (Kampfkunst der großen Vollendung). Auch heute noch findet dieser Name häufige Verwendung.
Innerhalb der traditionellen chinesischen Kampfkünste stellt Yiquan eine grundlegende Reform dar. Die Bewegungsökonomie wurde hier auf ihre höchste Stufe gebracht. Der Yiquan-Praktizierende kann sich mit wenigen Bewegungen, jedoch mit Schnelligkeit, Koordination und Geschick gegen eine Vielzahl von Angriffen verteidigen. Yiquan wurde von Meister Wang in jahrelangen Studien der inneren Chinesischen Kampfkünste vor dem Hintergrund moderner physiologischer und biomechanischer Erkenntnisse entwickelt. Obwohl die Bewegungen äußerlich anmutig und eher gemütlich erscheinen, sind sie sehr effizient, einfach zu koordinieren und können blitzschnell, explosionsartig angewendet werden, mit erstaunlicher Präzision und Sicherheit. Für einen Gegner sind sie nahezu unberechenbar. Meisterhafte Yiquan-Bewegungen können einen Gegner mit einer ihm in seinen Wahrnehmungsfähigkeiten unvertrauten Dynamik konfrontieren, so dass er völlig desorientiert wird, sein Zentrum verliert und nicht mehr finden kann. Folglich bleiben alle seine Aktionen unwirksam. Yiquan reiht sich damit unter die schnellsten Kampfsysteme ein.

In der heutigen Zeit werden aus unserem sozialen Umfeld von vielen Seiten Anforderungen an uns gestellt und Rollenbilder definiert, denen wir so weit wie möglich entsprechen möchten, um unsere soziale Eingebundenheit und den daraus resultierenden seelischen Halt nicht zu verlieren. Oft ist die Folge Stress und psychischer (Leistungs-)Druck, Angstgefühle und Depressionen. Beschleunigte Lebensumstände zehren dabei ebenfalls an unseren körperlichen und psychischen Ressourcen. Wie negativ sich stressbedingte Krankheiten und Angstgefühle auf unser Immunsystem und dadurch auf unsere Gesundheit im ganzheitlichen Sinne auswirken, wird in jüngsten wissenschaftlichen Studien bestätigt. Yiquan stellt nur sehr geringe Anforderungen an den Praktizierenden, kennt keinen Leistungsdruck. Dadurch ist es eine Möglichkeit, sich selbst zu “entschleunigen”, seine Wesensmitte wieder zu entdecken und dadurch körperliche und geistige Kraft zu tanken. Ein bewusstes, entspanntes und trotzdem ein auf unsere täglichen Aufgaben fokussiertes Handeln bereichert unser Wirken in vielen Lebenslagen. Stück für Stück befreien wir dadurch unseren grenzenlosen, lebendigen Geist von selbstauferlegten Zwängen, Verhaltensmustern und Selbsteinschränkungen. Plötzlich entwickeln wir eine andere Sicht der Dinge. Dies kann als Kultivierung des menschlichen Lebenspotenzials verstanden werden. Die Übungen helfen uns, vom ständigen Aktionismus in die Stille, vom Denken wieder zum Fühlen und von der Anspannung wieder zurück zur Entspannung zu kommen.
Yiquan ist demnach keine Ansammlung von Boxroutinen, Kampftechniken, Meditationstechniken, fixierten Bewegungsabläufen und Körperstellungen. Es ist auch keine philosophische Denkschule, keine religiöse Stilrichtung, Gemeinschaft oder Organisation, keine medizinische Therapieform, weder im körperlichen noch im psychischen Bereich. Es ist ein Prozess des Wiedererlangens von uns allen angeborenen Fähigkeiten. Diese haben wir durch die Urbanisierung unserer Gesellschaft und der minimalisierten Bewegungsmuster unseres Alltags verlernt. In der bewegungsarmen Umgebung, in der sich die meisten zivilisierten Gesellschaften täglich bewegen, werden die benötigten Stimuli nicht mehr angetroffen. Es entstehen Stimulationslücken, die wir künstlich versuchen aufzufüllen. Die meisten Freizeitsportarten sind jedoch auch hier viel zu einseitig. Wird Bewegungsmangel oder gar Fehlhaltungen und falsch erlernte Bewegungsmuster zum Dauerzustand, verlernt der menschliche Körper mit der Zeit, sich effizient zu bewegen. Die Trainingsmethoden des Yiquan sind gezielt auf die Funktionen des Körpers ausgerichtet, die in unserem Alltag zu wenig oder gar fehlbelastet werden. Man kann sie deshalb als Lernprogramme der gesamten neuro-muskulären Funktionen unseres Bewegungsapparates verstanden werden, für den Motokortex im Gehirn, Muskeln, Nerven, Gelenke und deren Zusammenspiel.
Yiquan beurteilt Kampfkunstfähigkeiten nicht nach dem Kriterium Sieg oder Niederlage, denn diese sind rein temporär und nur eine Momentaufnahme. Der Weltmeistertitel im Boxschwergewicht sagt nur etwas über die momentanen Fähigkeiten des Champions aus. Mit zunehmendem Alter wird er seine Fähigkeiten verlieren und ein anderer, jüngerer Boxer seinen Platz einnehmen. In den inneren Kampfkünsten generell nehmen die Fähigkeiten mit zunehmendem Alter nicht ab, im Gegenteil, sie nehmen ständig zu. Es geht um die Prinzipien der Effizienz von Fähigkeiten in allen Lebensbereichen. Yiquan ist, so verstanden, das Studium des Lebens und seiner Prinzipien bzw. Gesetzmäßigkeiten. Für nicht an der Kampfkunst Interessierte bietet es die Freiheit, sich lediglich mit den Gesundheitsaspekten auseinander zu setzen

“Der rechte Weg zur Ganzheit besteht aus schicksalshaften Umwegen und falschen Abzweigungen. Dies ist eine “longissima via”, ein Pfad der die Gegensätze vereint wie der leitende Caduceus (Hermesstab), ein Pfad dessen labyrinthische Windungen und Verzweigungen nicht ohne Schrecken sind.” C.G. Jung “Psychologie und Alchimie”

Neuer Kurs im neuen Raum für Bewegung! Vor der Sommerpause einsteigen und über den Sommer selbstandig üben! Auch geeignet für alle, de de Methoden näher kennen lernen und im Herbst ins erweiterte Kursangebot einsteigen wollen. Der Kurs is offen, die Teilnahme an einzelnen Stunden ist jederzeit möglich wobei inhaltlich mehr Rücksicht auf regelmäßige Besucher genommen wird. Themen: Grundlagen des Yiquan

  • Zhanzhuang
  • Shili
  • Mocabu
Grundlagen Qigong
  • Aufbau von Qi, Qigefühl
  • einfache Einzelübungen
  • Prinzipien
Kurszeit: 
Donnerstags, 18:30-19:30h
8. Mai 2008 bis 3. Juli 2008
Ort:
Raum für Bewegung
Andechsstr. 48 (gratis Parkplatz in Tiefgarage)
6020 Innsbruck
Kosten:
€ 8.-/ Einheit
Info:
0650-7446447
www.truegongfu.eu

Wahres Gongfu

Gongfu kann ist im Westen eher unter der alten Schreibweise Kungfu bekannt und wird vielleicht mit der Fernsehserie mit David Carradine in Verbindung gebracht und als Kampfstil im Sinne von Karate, Taekwondo, etc. verstanden.
Gongfu bedeutet etwa “harte Arbeit” im Sinne eines (Lebens)langen systematischen Trainings der im Taoismus dargelegten Prinzipien, nach denen das Universum funktioniert. Dabei gilt das hermeneutische Prinzip “Wie oben so unten”, das heisst der Mikrokosmos Mensch ist ein Abbild des Makrokosmos.
Es kann einerseits im gesundheitsorientierten Bereich des Qigong (Arbeit mit dem Qi, einem der “drei Schätze” des Menschen) gearbeitet werden; andererseits im Wushu, der Kampfkunst. Bei dieser geht es nur vordergründig um eine Auseinandersetzung, ihr eigentliches Wesen besteht jedoch darin, sich mit eben diesen geheimnisvollen Prinzipien und Wirkmechanismen des unergründlichen Tao “auseinanderzusetzen” (eine gelungene Übersetzung ist die von Richard Wilhelm: “der Sinn”, obwohl man über das Tao nicht sprechen kann, denn, so Lao Tse, sobald man es benennt ist es nicht mehr das wahre Tao).
Dies ist die wahrhaft Sinn-volle Aufgabe des Menschen während seiner Existenz in dieser Welt. Das Verfolgen dieser Aufgabe ist die Suche nach wahrem Gongfu. So bezeichntet Gongfu auch das Ergebnis dieser Bemühungen, einen erreichten Grad der Entwicklung und Erkenntnis und die Frucht und das Ergebnis der Bemühungen, wahres Gongfu zu erlangen. Dann geschieht alles mühelos, ohne Anstrengung, durch Nicht-Tun (Wuwei).
Das ist wahres Gongfu. (nach meinem derzeitigen Verständnis…)

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