Achtung Terminänderung beim Qigong Kurs im SOS Kinderdorf:
28. 10. und 04.11. fallen aus, Ersatztermine Montags 18:30h am 19. 10. und 09.11.!
Achtung Terminänderung beim Qigong Kurs im SOS Kinderdorf:
28. 10. und 04.11. fallen aus, Ersatztermine Montags 18:30h am 19. 10. und 09.11.!
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Martin und Hendrik
Inhalte des 10. Seminars:
Es wurden verstärkt Yangsheng Zhanzhuang Übungen in Pingbu geübt. Dabei wurden folgende Feinheiten bei den Öffnen/Schließen Bewegungen ausgearbeitet:
Jî – ein eher punktuelles Ö/S, z.B. an den Handgelenken
He – ein mehr flächiges Ö/S am ganzen Arm entlang, wie bei Kai He Shili
Bao – ein „umarmendes“ Schließen, die Kraft geht zum Zentrum
Weiters wurde eine neue Position erlernt, nämlich Jî He, eine Haltung mit den Handrücken zueinander, die einer Technick entspricht, die beim Tuishuo angewandt wird, wenn die Arme zu tief in eine ungünstige Position gelangt sind.
Beim Shili wurden die Tuishuo Shili durch Piangua Shili komplettiert.
Beim Fali kam eine nach unten ziehende Bewegung aus Guogua Position dazu.
Trainingsplan:
Ziran Zhuang
(«Natürlicher» Stand)
Vorstellung: Im Regen / unter der Dusche oder unter dem Wasserfall stehen.
Tuituo Zhuang
(«Nach Vorne heben» Stand)
Vorstellung: Im Wind stehen und den Papierball halten.
Ticha Zhuang
(«Nach Unten stechen» Stand)
Vorstellung: Die Finger in den Honig drücken.
Fu’an Zhuang
(«Abstützen, nach Unten drücken» Stand)
Vorstellung: Im Honig stehen.
Gougua Zhuang
(«Haken / einhängen» Stand)
Vorstellung: Im Wasser stehen, die Hände halten einen Papier Ball.
Ji’he Zhuang
(«Zusammen schliessen» Stand)
Vorstellung: Die Handrücken drücken einen Papier Ball. Auf Watte stehen.
Chengtuo Zhuang
(«Ausdehnen und heben» Stand)
Vorstellung: Im Wasser stehen, die Strömung spüren und einen Ball halten.
Chengbao Zhuang
(«Ausdehnen und zusammen drücken» Stand)
Vorstellung: Im Wasser stehen, den Ball drücken / dehnen. 30 Min/Tag
Zoubu Shili:
Pingtui, Gougua, Piangua, Xuanfa
«Sun Li Ni Xing» Vorstellungsarbeit intergrieren. 10 Min/Shili, 40 Min/Tag.
Fali:
Nach Vorne / nach Hinten. 2 Min/Fali

Jumin und Hendrik beim Tuishuo
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Unsere morgendliches Training am Seeufer machte diesen Sommer nicht nur auf badefreudige Frühaufsteher Eindruck sondern blieb auch nicht ohne Auswirkung auf die heimische Tierwelt. Diese Ente wurde beim Üben in perfekter Dingbabu Haltung fotografiert und wirbt jetzt nicht nur für Urlaub im Salzburger Seenland sondern, nur für Insider erkennbar, auch für Yiquan.


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Das neunte Seminar mit Jumin Chen war voll neuer, spannender Inhalte und brachte den Fokus des Trainings deutlich Richtung Kampfkunst. Es wurden zahlreiche neue Übungen erlernt und vertiefende Aspekte eingeführt.
Nachdem lange Zeit der Schwerpunkt des Trainings auf Zhanzhuang (Stehübung), Mocabu (Grundschritt), Shili (langsame Bewegung) sowie Zoubu (Kombination aus Shili mit Schritten) gelegen hatte, wurde bereits beim letzten Seminar die neue Kategorie Fali eingeführt, die diesmal weiter vertieft und ausgebaut und um die fünfte Kategorie, das Shisheng (Laut Test), ergänzt. Da an den Samstag Abenden im ans Seminar anschließenden freien Training auch schon Tuishou (Pushhands Partnerübung) geübt wird, das zeitweise fließend in lockeres Sanshou (Freikampf) übergeht, sind jetzt alle sieben Säulen der Methode zumindest ansatzweise bekannt und das gesamte Yiquan Gebäude nimmt langsam eine klarere Gestalt an.
Die Übungen
Fensterputzen – das bereits bekannte Fensterputzen nach innen und außen wird jetzt mit zwischendurch schnelleren Bewegungen geübt und kann mit den im letzten Seminar gelernten Schrittkombinationen sowie mit der im Shengui Choshui (Schildkröte) trainierten körperlichen Flexibilität (der Körper bewegt sich unabhängig von den Armen in verschiedenste Richtungen) kombiniert werden.
Der Affe klettert – ist eine Abwehr- und Angriffsbewegung der flach nach vorne gerichteten Handflächen, Fingerspitzen nach oben, die entlang der Mittellinie des Körpers in kleinen „Schlägen“ auf und ab verläuft. Das sieht etwa so aus wie ein Affe der einen Baum hochläuft. Wird in Pingbu und Dingbabu geübt.
Die 3 Übungen (Fenster putzen innen, FP außen, Affe klettert) können mit drei Bewegungen (Gleitschritt vor, GS zurück und Drehschritt) kombiniert und sowohl schnell als langsam geübt werden.
Tui (Jiao) Shili - Ausgangspunkt ist die einbeinige Zhanzhuang Position Duli, aus der man zu gehen beginnt. Beim Absetzen des gehobenen Beines wird die Kopffeder gedehnt, beim Heben des Beines werden die Bein- und Armfedern gedehnt und etwas seitlich geöffnet.
Shisheng – zwei Laute werden geübt:
der Ton „I“ ist ansteigend und dehnt den oberen Brustraum seitlich, die Arme ziehen dabei auseinander um das Gefühl des Öffnens zu unterstützen.
der Ton „IO“ ist abfallend und endet in einer Expansion des Unterbauchs, „wie wenn ein großer Stein ins Wasser fällt“.
Das Shisheng verbessert die innere Struktur beim Fali.
Fali – wird noch ganz locker geübt, damit vor allem in den Schultern keine Blockade die Kraftübertragung hemmt. Der Körper ist wie ein Hammer, die Arme wie Nägel. Geübt wird der Stoß nach vorne (oben und innen), sowie der Fauststoß nach vorn oben mit gleichzeitigem Ellbogenstoß nach hinten oben (dieser wird betont). Mit einem Partner kann gegen die Hände des Partners gestoßen werden um die Effektivität zu überprüfen.
Zusätzlich wurden die grundlegenden Shili Übungen vertieft und verfeinert. Dazu wurde mit einem wichtigen Prinzip gearbeitet, dem Sùn Lì Nì Xíng, das bedeutet, dass bei einer Bewegung die Vorstellung auch in die Gegenrichtung der Bewegung geht. Dieses Prinzip wird auch beim Zhanzhuang eingebaut.
Ergänzt wurde das Training um eine schöne Yangsheng Zhuang Übung:
in Tuobao Position stehen wir bis zur Brust im Wasser und lassen uns von diesem ganz entspannt vor und zurück bewegen. Bei der Bewegung nach vorne dehnen wir jetzt die Wirbelsäule und ziehen den untersten Wirbel über dem Kreuzbein wie eine Feder auseinander. Beim zurückdriften lassen wir wieder los. Beim nächsten mal vorgehen wandern wir einen Wirbel weiter und gehen so die gesamte Wirbelsäule nach oben hoch um anschließend wieder von unten zu beginnen.
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8. Seminar mit Jumin Chen
Im Yiquan soll die ursprüngliche Kampffähigkeit (Yuan Shen – ursprünglicher Geist) entwickelt werden, nicht angelernte Techniken (Shi Shen – erworbener Geist).
Jing Shen Jiaji
Bei der Übung eine Vorstellung verwenden, die einer echten Situation entspricht. Z.B. angenehme Vorstellung wie auf Urlaub, sich groß denken, etc.
Yinian Youdao
„mit Vorstellung lenken“ – bezieht sich auf Vorstellungsarbeit wie Federn, Bälle, Wasser, etc.
Zhanzhuang
Vorstellung: ein feiner Faden der leicht reißt geht von einem Baum in der Ferne zu
- Stirn
- Fingerspitzen (nach vorn)
- Schultern
- Durch die Brust zum Punkt Jiajie zwischen den Schulterblättern
- Durch den Körper zum Punkt Mingmen gegenüber vom Nabel
- Zu den beiden Hüftknochen
Stufenweise Punkte hinzufügen, Stellung mit Armen hängend oder Fuan (Fingerspitzen nach vorn).
Faden vorsichtig ziehen, nicht abreißen, wieder lockerlassen.
Chengbao:
Papierball halten, am Ball hängt der dünne Faden zum Baum, ziehen, nicht abreißen, lockerlassen.
Vorstellung 2:
Die Fäden sind auf der Köperrückseite, wir ziehen nach vorn. Hände hinten auf den Hüftknochen in Erholungsstellung.
Aufwärmen:
Schnelles normales Gehen im Kreis
- Hände durch Honig ziehen
- Durch den Sumpf gehen mit Armen in Chengbao
- In Tuobao
Fali
Schritt vor und „bremsen“ wie auf Bremspedal. Explosiv
- Faust locker, beim Bremsen Finger strecken und kurz anspannen und spreizen, gleich wieder locker.
- Faust nach innen gedreht in Chengbao, beim Bremsen Handflächen nach vorne drehen und Finger nach oben spreizen, gleich wieder locker.
- Ellbogen nach hinten oben schrauben, Fingerseite der Faust dreht nach außen. Dabei die Federn Knie/Knie, Knie/Hüfte, Kopf/Fuß drücken und Ellbogen/Baum ziehen.
- Zusätzlich andere Faust zu einem geraden Schlag „Zhi Quan“ strecken. Betonung liegt aber auf Ellbogen nach hinten ziehen.
Schrittechnik
In Dingbabu
- Gleitschritt nach vorne und rückwärts
- Drehschritt, vorderen Fuß leicht nach außen drehen, hinteren nachsetzen und nachdrehen
- Das selbe mit Faustschlag und Ellbogen kombinieren
Hausübung:
Hunyuan Zhuang mindestens 30 Minuten
1. Vorne (plus innen und unten) / hinten (plus außen und oben)
2. Oben (innen/vorn) / unten (außen/hinten)
3. Innen (vorne/unten) / außen (hinten/oben)
Alternativ: Faden an Baum mit 11 Federn wie vorher beschrieben
a. Papierball
b. Holzball
c. Baum umarmen
d. Im Wasser
Shili:
- Shengui Choshui im Stand
- mit Schritt
- anderes Shili
- Zhi Quan
- Fali mit Handflächen nach vorne strecken
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Wir sind uns alle bewusst, dass unsere moderne Lebensweise zwar bequem aber nicht immer so natürlich und gesund ist. Inzwischen spricht man sogar von „Zivilisationskrankheiten“, dazu zählen lebensbedrohliche Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems (eine der häufigstenTodesursachen) ebenso wie weniger bedrohliche, aber dennoch ernste Probleme wie chronische Rücken- oder Kopfschmerzen. Trotz modernster medizinischer Versorgung scheinen wir diesen Problemen hilflos ausgeliefert zu sein. Die gute Nachricht ist, dass wir selbst Verantwortung übernehmen können und mit Yiquan eine wirkungsvolle Methode bekommen, die mit ihren oft technisch-mechanischen Anweisungen und Vorstellungen (z.B. Metallfedern zusammendrücken und auseinanderziehen) zusätzlich für moderne Westler sehr ansprechend und leicht verständlich ist.
Aus chinesischer Sicht würde man diese Zivilisationskrankheiten damit erklären, dass der „erworbene Geist“, also unser Intellekt, den regulierenden und die Gesundheit erhaltenden „ursprünglichen Geist“ stört, weil er durch die Herausforderungen des modernen Lebensstils das Übergewicht bekommen hat. Wir müssen immer mehr in immer kürzerer Zeit bewältigen, das Tempo scheint sich ständig zu beschleunigen, der Druck lässt nie nach, Freizeit und Arbeitszeit verschwimmen immer mehr durch mobile Kommunikation und dem Drang nach Flexibilität. Man kann sich leicht vorstellen, wie die „Energie“ nach oben in den Kopf steigt. Es kommt zu einem Krankheitsbild, das man in der TCM als „obere Fülle und untere Leere“ bezeichnet. Wir werden kopflastig, der Körper wird vernachlässigt. Dazu kommt noch, dass geistige Arbeit in unserer Gesellschaft höher eingeschätzt wird als körperliche, der Geist wird dadurch vom Körper abgekoppelt und mehr beansprucht als der Körper. Das äußert sich oft in hochgezogenen Schultern. Als ich anfing chinesische Kampfkunst zu üben, war ich überrascht, dass ich meine Schultern im vermeintlich entspannten Zustand noch einige Zentimeter senken konnte und begann diese unnötige Verspannung auch im Alltag wahrzunehmen und zu reduzieren.
Im gesundheitsorientierte Yiquan stellen wir uns vor, dass wir in einer angenehmen Umgebung, etwa in einer schönen Landschaft in einer entspannten Situation sind. Diese Vorstellungsarbeit ist ein zentraler Punkt im Yiquan (Yi bedeutet Vorstellung). Wir können dazu auch tatsächlich Erlebtes wie etwa Eindrücke aus dem letzten Urlaub verwenden. Auf diese Weise kann man schnell mal zwanzig Minuten Urlaub in der Karibik verbringen, und zwar ohne den Stress der aufwendigen Anreise. Das kommt auch finanziell viel günstiger. Mit dieser Aussage habe ich Ihnen jetzt hoffentlich ein kleines Lächeln entlockt, sie war aber durchaus ernst gemeint! Aus der Hirnforschung wissen wir, dass das Gehirn keinen Unterschied zwischen dem Vorgestellten und dem tatsächlich Erlebten kennt, die physiologischen Reaktionen auf diesen „Urlaub mit Yi“ sind die selben. Einer meiner Schüler litt in einer schwierigen Lebensphase an Schlafstörungen. Nach seinem ersten Training konnte er zum ersten Mal seit vielen Monaten wieder durchschlafen!
Im Yiquan lernen wir, Körper und Geist zu verbinden. Das klingt vielleicht esoterisch, ist aber ganz leicht verständlich. Wir üben zum Beispiel eine einfache Bewegung mit einer bestimmten Vorstellung, das heißt wir machen etwas mit unserem Körper und sind geistig ganz dabei. Die meditative Qualität der Übung ist wie Urlaub für das strapazierte Nervensystem, trotzdem ist das Gehirn sehr aktiv, es gibt ein wahres Neuronen-Feuerwerk und mit regelmäßiger Übung entstehen neue Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen. Viele Übende stellen fest, dass sie anfangs gar keine Kontrolle über einzelne Bereiche des Körpers haben. Sehr häufig habe ich das im Bereich des unteren Rückens beobachtet, also dem Bereich in dem sich die typischen „Kreuzschmerzen“ abspielen. Die meisten Anfänger werden sich beim Training der Verspannungen bewusst, die sie gar nicht mehr gespürt hatten. Leider sind wir anfangs dadurch mit scheinbar negativen Effekten konfrontiert, die sich aber allmählich überwinden lassen. Entspannung ist ein aktiver Prozess den uns niemand abnehmen kann. Eine Behandlung vom Masseur kann kurzfristig Erleichterung bringen aber wenn wir unsere Verspannungen nicht selbst „abschalten“ und Fehlhaltungen korrigieren werden sie sich immer wieder neu aufbauen. Die Stehübung korrigiert diese Fehlhaltungen nach und nach und lehrt uns, uns aktiv zu entspannen.
Später üben wir mit komplexen Vorstellungen, etwa mit der Vorstellung, uns in mehrere Richtungen gleichzeitig zu bewegen. Dabei bleiben wir aber entspannt, ganz mit der Aufmerksamkeit im Körper und verbinden dessen einzelne Teile zunehmend zu einer Einheit. Die Fähigkeit, konzentriert aber entspannt bei einer komplexen Tätigkeit zu verweilen, hilft uns im modernen Alltag. Wir können so energieeffizient arbeiten und im Köper präsent bleiben.
Durch die Stehübung wird der Körper nicht nur zur Einheit, er bekommt auch eine elastische und starke Struktur. Wir üben oft mit der Vorstellung einen Ball zu halten. In einem luftgefüllten Ball wirkt der Druck der Luft in gleichmäßig nach außen, während die elastische Haut des Balles ebenso gleichmäßig nach innen zieht. Beide Kräfte halten sich das Gleichgewicht. wenn man den Ball auf den Boden schleudert, prallt er zurück. Viele geübte Yiquan Leute machen bei Stürzen die Erfahrung, dass sie ähnlich elastisch vom Boden oder von einem Hindernis abprallen und sich nicht nur nicht ernsthaft verletzen sondern oft kaum Schmerzen verspüren. Das habe ich selbst schon mehrmals sehr eindrücklich erlebt.
Aber auch Menschen die vorwiegend körperlich tätig sind haben oft Beschwerden. Ich arbeitete einige Zeit mit einer Heilmasseuse, die durch ihre Arbeit starke körperliche Schmerzen bekommen hatte. In ihrer Berufsausbildung wurde zwar das nötige Fachwissen über Behandlungsmethoden und die entsprechenden Handgriffe vermittelt, der Köper des Behandlers wurde aber ignoriert. Durch das Yiquan lernte sie bei der Behandlung eine günstigere Haltung einzunehmen und ihren Körper als Einheit zu benutzen. Durch den Einsatz von Vorstellungskraft bekam sie das Gefühl, präziser und müheloser arbeiten zu können. In einer traditionellen asiatischen Methode, wie etwa dem Shiatsu, wären diese Aspekte von Haus aus integriert gewesen, die in ihrer westlichen Ausbildung fehlenden Fähigkeiten konnte sie mit Yiquan kompensieren.
Von der psychischen Seite her ist abschließend noch zu sagen, dass viele Menschen sofort die wohltuende und beruhigende Wirkung der Übungen spüren. Das gut verwurzelte, mit beiden Beinen fest im Leben stehen bringt uns wieder zurück auf den Boden. Allein dieser grundlegende Aspekt der Stehübung ist so wertvoll, dass er von körperorientierten Schulen der Psychotherapie als „Grounding“ übernommen wurde. Das Zusammenbringen der verschiedenen Körperteile im Raum und in Bezug zueinander hat zusätzlich eine heilsame, integrierende Wirkung.
In alldem zeigt sich, wie ganzheitlich und praktisch die Yiquan Methode funktioniert und aufgebaut ist. Einfach und klar strukturiert, dennoch profund.
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Beim sechsten Ausbildungswochenende mit Jumin Chen wurde die Thematik des Yaofa (seitliche Bewegung) und Xuánfa (Kombinationen aus vor/zurück mit links/rechts) weiter vertieft.
Nachdem am vorhergehenden Wochendene eine gleichläufige, oder nach Jumin „kompakte“ Bewegung, geübt wurde, kam diesmal als zusätzliche Dimension eine gegenläufige Körperbewegungen dazu. Jumin sprach dabei von „flexibler“ Bewegung, das heisst, die Arme bewegen sich in die Gegenrichtung des Körpers. Dies kann beim Tuishuo eingesetzt werden indem der Körper zur Seite und aus der Angriffslinie geht und die Arme den Gegner zusätzlich seitlich ablenken.
Nochmal zusammengefasst
Gleichläufige oder kompakte Körperbewegung – der ganze Körper bewegt sich als Einheit:
Yaofa - links/recht, Körper bewegt sich als Einheit seitlich
Xuán Fa 1. rechteckig, 2. diamantförmig, 3. kreisförmig – Körper bewegt sich als Einheit, beim vor gehen zusätzlich schießen, beim zurück gehen zusätzlich öffnen
Gegenläufige oder flexible Bewegung – Arme und Körper bewegen sich gegenläufig:
Yaofa – z.B. Arme nach links, Körper nach rechts und umgekehrt
Xuán Fa – Körper vor, Arme ziehen; Körper auf eine Seite, Arme auf andere
Ausserdem wurde ein Überblick über die Systematik der Shili Übungen anhand folgender Kategorien gegeben:
Jichu Shili – Grundlegende Shili
a) Pingtui – vor/zurück
b) Kaihe – öffnen/schließen
c) Poshui – hoch/tief
Tuishuo Shili – Pushhands Shili
a) Guogua Shili – haken/ziehen
b) Fuan Shili – heben/schließen, drücken/ziehen
c) ausständig
Shenfa Shili – Körpershili (Körper bewegt sich gegenläufig)
a) Yaofa Shili – seitliche Richtung
b) Xuán Fa Shili – vor/zurück kombiniert mit seitlich
c) aussständig
Jiji Shili – Kampf Shili
a)
b)
c)
Weitere Erläuterungen betrafen die Qualität der Vorstellung (Yi)

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Film- und Infoabend „Taoist Energy Arts“ mit Bruce Kumar Frantzis
Raum für Bewegung, Sonntag, 25. 01. 2009, 18:00h
Ein Überblick über Qigong und Innere Kampfkünste in China. Der Film dauert ca. 60 min und ist in Englischer Sprache. Anschließend besteht die Gelegenheit sich näher über das neue Kursprogramm zu informieren.
B.K Frantzis hat über 40 Jahre Erfahrung in Chi Gung (Qi Gong), Meditation und Kampfkunst.
Nach 16 Jahren Trainingserfahrung in Asien hat er ein sytematisches Übungssystem der taoistischen Lehren entwickelt.
1981 wurde er als einer von zwei Schülern des verstorbenen taoisten Liu Hung Chie angenommen.
1986 wurde er als Linienhalter des Systems von Liu Hung Chie ernannt. Liu beauftragte ihn damit Lao Tse`s Wasserlehre der taoistischen Meditation zu verbreiten.
Zwanzig Jahre Training waren eine Vorbereitung für das Training mit Meister Liu. 1961 begann B.Frantzis mit dem Training der Kampfkünste.
Bevor er nach Japan ging erreichte er Schwarzgurte in verschiedenen japanischen Kampfkünsten wie z.B. Karate, Aikido und Judo. In Japan trainierte er zwei Jahre unter dem Aikido Begründer Morihei Ueshiba.
Später führte ihn sein Training auch nach China und Indien. In Indien befasste er sich mit Yoga und tantrischen Praktiken.
In China lernte er von vielen grossen Meistern Tai Chi, Chi Gung, Kampfkünste und Tui Na.
Nach Liu`s Tod 1986 ging er zurück in die USA um zu unterrichten, was er gelernt hatte.
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Wir sind uns alle bewusst, dass unsere moderne Lebensweise zwar bequem aber nicht immer so natürlich und gesund ist. Inzwischen spricht man sogar von „Zivilisationskrankheiten“, dazu zählen lebensbedrohliche Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems (eine der häufigstenTodesursachen) ebenso wie weniger bedrohliche, aber dennoch ernste Probleme wie chronische Rücken- oder Kopfschmerzen. Trotz modernster medizinischer Versorgung scheinen wir diesen Problemen hilflos ausgeliefert zu sein. Die gute Nachricht ist, dass wir selbst Verantwortung übernehmen können und mit Yiquan eine wirkungsvolle Methode bekommen, die mit ihren oft technisch-mechanischen Anweisungen und Vorstellungen (z.B. Metallfedern zusammendrücken und auseinanderziehen) zusätzlich für moderne Westler sehr ansprechend und leicht verständlich ist.
Aus chinesischer Sicht würde man diese Zivilisationskrankheiten damit erklären, dass der „erworbene Geist“, also unser Intellekt, den regulierenden und die Gesundheit erhaltenden „ursprünglichen Geist“ stört, weil er durch die Herausforderungen des modernen Lebensstils das Übergewicht bekommen hat. Wir müssen immer mehr in immer kürzerer Zeit bewältigen, das Tempo scheint sich ständig zu beschleunigen, der Druck lässt nie nach, Freizeit und Arbeitszeit verschwimmen immer mehr durch mobile Kommunikation und dem Drang nach Flexibilität. Man kann sich leicht vorstellen, wie die „Energie“ nach oben in den Kopf steigt. Es kommt zu einem Krankheitsbild, das man in der TCM als „obere Fülle und untere Leere“ bezeichnet. Wir werden kopflastig, der Körper wird vernachlässigt. Dazu kommt noch, dass geistige Arbeit in unserer Gesellschaft höher eingeschätzt wird als körperliche, der Geist wird dadurch vom Körper abgekoppelt und mehr beansprucht als der Körper. Das äußert sich oft in hochgezogenen Schultern. Als ich anfing chinesische Kampfkunst zu üben, war ich überrascht, dass ich meine Schultern im vermeintlich entspannten Zustand noch einige Zentimeter senken konnte und begann diese unnötige Verspannung auch im Alltag wahrzunehmen und zu reduzieren.
Im gesundheitsorientierte Yiquan stellen wir uns vor, dass wir in einer angenehmen Umgebung, etwa in einer schönen Landschaft in einer entspannten Situation sind. Diese Vorstellungsarbeit ist ein zentraler Punkt im Yiquan (Yi bedeutet Vorstellung). Wir können dazu auch tatsächlich Erlebtes wie etwa Eindrücke aus dem letzten Urlaub verwenden. Auf diese Weise kann man schnell mal zwanzig Minuten Urlaub in der Karibik verbringen, und zwar ohne den Stress der aufwendigen Anreise. Das kommt auch finanziell viel günstiger. Mit dieser Aussage habe ich Ihnen jetzt hoffentlich ein kleines Lächeln entlockt, sie war aber durchaus ernst gemeint! Aus der Hirnforschung wissen wir, dass das Gehirn keinen Unterschied zwischen dem Vorgestellten und dem tatsächlich Erlebten kennt, die physiologischen Reaktionen auf diesen „Urlaub mit Yi“ sind die selben. Einer meiner Schüler litt in einer schwierigen Lebensphase an Schlafstörungen. Nach seinem ersten Training konnte er zum ersten Mal seit vielen Monaten wieder durchschlafen!
Im Yiquan lernen wir, Körper und Geist zu verbinden. Das klingt vielleicht esoterisch, ist aber ganz leicht verständlich. Wir üben zum Beispiel eine einfache Bewegung mit einer bestimmten Vorstellung, das heißt wir machen etwas mit unserem Körper und sind geistig ganz dabei. Die meditative Qualität der Übung ist wie Urlaub für das strapazierte Nervensystem, trotzdem ist das Gehirn sehr aktiv, es gibt ein wahres Neuronen-Feuerwerk und mit regelmäßiger Übung entstehen neue Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen. Viele Übende stellen fest, dass sie anfangs gar keine Kontrolle über einzelne Bereiche des Körpers haben. Sehr häufig habe ich das im Bereich des unteren Rückens beobachtet, also dem Bereich in dem sich die typischen „Kreuzschmerzen“ abspielen. Die meisten Anfänger werden sich beim Training der Verspannungen bewusst, die sie gar nicht mehr gespürt hatten. Leider sind wir anfangs dadurch mit scheinbar negativen Effekten konfrontiert, die sich aber allmählich überwinden lassen. Entspannung ist ein aktiver Prozess den uns niemand abnehmen kann. Eine Behandlung vom Masseur kann kurzfristig Erleichterung bringen aber wenn wir unsere Verspannungen nicht selbst „abschalten“ und Fehlhaltungen korrigieren werden sie sich immer wieder neu aufbauen. Die Stehübung korrigiert diese Fehlhaltungen nach und nach und lehrt uns, uns aktiv zu entspannen.
Später üben wir mit komplexen Vorstellungen, etwa mit der Vorstellung, uns in mehrere Richtungen gleichzeitig zu bewegen. Dabei bleiben wir aber entspannt, ganz mit der Aufmerksamkeit im Körper und verbinden dessen einzelne Teile zunehmend zu einer Einheit. Die Fähigkeit, konzentriert aber entspannt bei einer komplexen Tätigkeit zu verweilen, hilft uns im modernen Alltag. Wir können so energieeffizient arbeiten und im Köper präsent bleiben.
Durch die Stehübung wird der Körper nicht nur zur Einheit, er bekommt auch eine elastische und starke Struktur. Wir üben oft mit der Vorstellung einen Ball zu halten. In einem luftgefüllten Ball wirkt der Druck der Luft in gleichmäßig nach außen, während die elastische Haut des Balles ebenso gleichmäßig nach innen zieht. Beide Kräfte halten sich das Gleichgewicht. wenn man den Ball auf den Boden schleudert, prallt er zurück. Viele geübte Yiquan Leute machen bei Stürzen die Erfahrung, dass sie ähnlich elastisch vom Boden oder von einem Hindernis abprallen und sich nicht nur nicht ernsthaft verletzen sondern oft kaum Schmerzen verspüren. Das habe ich selbst schon mehrmals sehr eindrücklich erlebt.
Aber auch Menschen die vorwiegend körperlich tätig sind haben oft Beschwerden. Ich arbeitete einige Zeit mit einer Heilmasseuse, die durch ihre Arbeit starke körperliche Schmerzen bekommen hatte. In ihrer Berufsausbildung wurde zwar das nötige Fachwissen über Behandlungsmethoden und die entsprechenden Handgriffe vermittelt, der Köper des Behandlers wurde aber ignoriert. Durch das Yiquan lernte sie bei der Behandlung eine günstigere Haltung einzunehmen und ihren Körper als Einheit zu benutzen. Durch den Einsatz von Vorstellungskraft bekam sie das Gefühl, präziser und müheloser arbeiten zu können. In einer traditionellen asiatischen Methode, wie etwa dem Shiatsu, wären diese Aspekte von Haus aus integriert gewesen, die in ihrer westlichen Ausbildung fehlenden Fähigkeiten konnte sie mit Yiquan kompensieren.
Von der psychischen Seite her ist abschließend noch zu sagen, dass viele Menschen sofort die wohltuende und beruhigende Wirkung der Übungen spüren. Das gut verwurzelte, mit beiden Beinen fest im Leben stehen bringt uns wieder zurück auf den Boden. Allein dieser grundlegende Aspekt der Stehübung ist so wertvoll, dass er von körperorientierten Schulen der Psychotherapie als „Grounding“ übernommen wurde. Das Zusammenbringen der verschiedenen Körperteile im Raum und in Bezug zueinander hat zusätzlich eine heilsame, integrierende Wirkung.
In alldem zeigt sich, wie ganzheitlich und praktisch die Yiquan Methode funktioniert und aufgebaut ist. Einfach und klar strukturiert, dennoch profund.
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Beim Yiquan geht es viel darum, wie der Geist mit seiner Vorstellungskraft (Yi) den Körper beeinflusst. Roman Grasberger, der zurzeit die Yiquan Lehrer Ausbildung bei Jumin Chen absolviert, hat einige populärwissenschaftliche Literaturtipps zu den neurobiologischen Grundlagen dieser Vorgänge zusammengestellt.
Dabei handelt es sich nach seinen eigenen Worten „um verallgemeinerte Behandlung der Methoden/Themen welcher wir uns auch beim Yiquan bedienen“.
Manfred Spitzer – Geist im Netz
Gerald M. Edelman, Giulio Tononi – Gehirn und Geist
Joachim Bauer – Das Gedächtnis des Körpers
John C. Eccles – Wie das Selbst sein Gehirn steuert
Tor Norretranders – Die Wissenschaft des Bewusstseins
Humberto R. Maturana – Biologie der Realität
Joseph Ledoux – Das Netz der Persönlichkeit
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