Im letzten Yiquan Seminar für Lehrer am vergangenen Wochenende in Seeham bei Salzburg war das Hauptthema Öffnen und Schließen. Diese elemetare Bewegung wurde anhand der Yao Fa und der Xuán Fa Methode trainiert und zwar sowohl als Zhanzhuang (statisch) als auch als Shili (dynamisch).
Yao Fa bedeutet wörtlich etwa „instabil“ und bezeichnet eine seitliche Bewegung, die den Gegner in der besonders störanfälligen seitlichen Richtung aus dem Gleichgewicht bringt. Yao Fa kann im Parallelstand (Pingbu) geübt werden, indem man sich einen Widerstand an der Körperseite vorstellt, der mit der gesamte Körperseite gleichmäßig geschoben wird. Dabei sollte der Körper sich aufrecht in einer Ebene bewegen. Diese einheitliche Seitwärtsbewegung wird am Besten mit Hilfe von einem oder zwei Partnern an Hüfte, Knie und Schulter kontrolliert. Zusätzlich zieht bei der Verlagerung nach links das linke Knie eine vorgestellte Feder zwischen den Knien auseinander und macht so eine öffnende Bewegung (Kai), auf der rechten Seite öffnet das rechte Knie.
Diese Bewegung wird als Shili deutlich sichtbar mit einer Gewichtsverlagerung von maximal 70% zu 30% geübt und als Zhanzhuang mit äußerlich kaum wahrnehmbarer Bewegung und einer Gewichtsverlagerung von 49% zu 51% und feiner. Interessant ist dabei, welche Vorstellung als seitlicher Widerstand an der Körperaußenseite gewählt wird. Ein festerer Widerstand, wie etwa eine harte Matratze oder ein Baum, betont die Kraftentwicklung während ein weicherer Widerstand wie Watte oder Wasser eine feinere Wahrnehmung trainiert.
Die Xuán Fa Methode, wörtlich „kreisförmig“, ist etwas komplexer und teilt sich in drei Untergruppen. Dabei wird nicht nur seitlich verlagert sondern auch in der Richtung vor und zurück und zwar:
- in Rechtecksform: z.B. nach links, nach hinten, nach rechts, nach vorn
- in Rautenform: von vorne Mitte schräg nach links zurück, nach rechts zurück zur Mitte, nach rechts vor, nach links vor zur Mitte
- elliptisch
Verschiedene Handhaltungen sind möglich, z.B. Arme hängen lassen, Tuobao (Ball von unten halten), oder Chengbao (Ball vor Köper halten).
Beide Methoden werden natürlich auch in Dingbabu (ein Fuß vorne) geübt. Die Vorstellungsarbeit mit öffnen (kai) und schließen (he) ist sehr komplex und anspruchsvoll. Es gilt, wie schon bei anderen Zhanzhuang und Shili Übungen, das Prinzip: nach vor gehen und schließen, zurückgehen und öffnen.
Ein weiterer Schwerpunkt galt dem Guogua Shili („haken und hängen“). Bei dieser schwierigen Bewegung werden die Handflächen zueinander gedreht, der Köper geht tief während die Kopffeder gleichzeitig nach oben zieht, die Kniefedern öffnen und am Rücken wird gleichmäßig nach hinten gedrückt. Die Ellbogen beugen spiralig nach unten und öffnen gleichzeitig nach außen. Diese Bewegung wird angewandt wenn die Hände des Gegners oben liegen. Durch die nach vorne zeigenden Finger wird der Gegner am ersten Daumengelenk eingehakt, gezogen und ausgehoben, gleichzeitig werden seine Arme geöffnet sodass mit einem Stoß eingedrungen werden kann. Bei korrekt ausgeführter Bewegung wird die Bedeutung des Öffnens der Kniefedern klar, eine winzige Bewegung an der Basis bewirkt eine starke Kraft an den Endpunkten an den Händen! Wie immer im Yiquan ist eine einheitliche Bewegung des ganzen Köpers durch den Einsatz aller vorgestellten Federn die Voraussetzung.

