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Archive for September 2008





Ein Gespräch mit Jumin Chen

S: Jetzt ist die Olympiade in Beijing vorüber, hast du sie im Fernsehen verfolgt? Es gab sehr große Sicherheitsvorkehrungen. Das Regime scheint ziemliche Angst vor dem eigenen Volk zu haben.

J: Ja, das ist eben keine Regierung des Volkes. Ich hab mir nur die Ergebnisse angeschaut. Ich hatte sehr viel Arbeit.

S: Was hat dich so beschäftigt?

J: Ich habe einen Film über Qigong gemacht, für das Fernsehen. Außerdem habe ich ein Buch geschrieben.

S: Wann wird der Film zu sehen sein, und auf welchem Sender?

J: Er ist auf TW1 zu sehen. Auf der Internet Seite findet man das genaue Programm. Man kann dort im Webshop auch eine DVD kaufen.

S: Und was zeigst du in diesem Film?

J: Vor allem medizinisches Qigong. Die letzten beiden Folgen sind aber über Yiquan.

S: Erzähl uns bitte von deinem Buch. Welche Übungen sind enthalten, ist es eher ein praktisches Übungsbuch oder geht es mehr um Theorie?

J: Es ist ein Übungsbuch mit ein wenig Theorie. Ich zeige Übungen des medizinischen Qigong. Ein bisschen Yiquan hab ich auch eingebaut. Das Buch wird in Kürze im Residenz Verlag veröffentlicht.

S: Du hast du also ein wenig Yiquan eingeschlichen?

J: Ja, in China sagt man “einen Stein werfen um Jade zu bekommen”.

S: Du bist sehr überzeugt von der Yiquan Methode…

J: Ja, Yiquan ist sehr wirkungsvoll und im Prinzip einfach. Da kann man schneller Fortschritte erzielen als mit komplizierten Dingen.

S: Was ist das Besondere an dieser Methode?

J: Die Arbeit mit der Vorstellungskraft. Außerdem war Wang Zhangzahi, der Begrüder des Yiquan, ein großer Reformer. Er hat sich auf die Prinzipien konzentriert, auf den Inhalt, anstatt sich in Details einer äußeren Form zu verlieren.

S: Du meinst einer Übungs-Form wie im Taijiquan?

J: Ja genau. Taiji im Westen ist eine Katastrophe. Die meisten Übenden glauben, es ginge nur darum die Choreografie der einzelnen Bewegungen zu erlernen, sie wissen nichts über Anwendung und Sinn. Sogar viele Lehrer haben so eine Auffassung. Im Yiquan geht es um den Inhalt, auch wenn es von außen nicht so spektakulär aussieht, es bringt viel mehr!

S: Es hat also eine Entwicklung gegeben, die dazu geführt hat, dass man sich zu sehr auf äußere Form konzentriert hat und dabei den Inhalt vernachlässigt hat. Wie kam es dazu?

J: Das war in der Mao Zeit: Damals begann man, Wushu an den Universitäten zu unterrichten. Die Formen wurden immer komplizierter, schließlich musste man vorher Turnen und Gymnastik trainieren, um die Formen überhaupt ausführen zu können. Das hat natürlich nichts mehr mit Kampfkunst zu tun.

S: Du betonst auch immer wieder wie vielseitig Yiquan ist. Du hast sogar schon mit Leistungssportlern trainiert.

J: Das stimmt, der Trainer des österreichischen Skiteams hat mich in das Olympiazentrum eingeladen. Jetzt bei der Olympiade hat man auch gesehen, dass die Läufer heute alle auf den Ballen laufen, niemand läuft mehr über die Fersen. Das ist zum Beispiel ein Prinzip bei der Schritttechnik des Yiquan, dem Mocabu. So ist man schneller.

S: Welche Anwendungsbereiche kannst du noch nennen?

J: Ich habe z. B. auch mit Musikern gearbeitet, die sehr von den Stehübungen profitiert haben. Sie lernten dadurch etwa die Geige entspannter zu halten oder ihre Technik am Klavier zu verbessern. Das wesentliche am Yiquan ist die Arbeit mit der Vorstellung, dem Yi, das ist universell einsetzbar.

S: Auch bei gesundheitlichen Problemen?

J: Ja ich arbeite mit Patienten mit verschiedensten Problemen hauptsächlich mit Zhanzhuang. Von außen sieht man dabei nicht viel, man glaubt der Übende macht gar nichts. In Wirklichkeit ist man aber mit komplexer Vorstellungsarbeit beschäftigt und da passiert innerlich sehr viel, ein regelrechtes Neuronengewitter!

S: Zurzeit läuft die erste Yiquan Lehrerausbildung in Österreich. Wie geht die Arbeit voran?

J: Ich bin sehr glücklich mit dem neuen Ausbildungskonzept. Ich glaube wir können in den drei Jahren der Ausbildung gute Qualität erreichen.

S: Vielen Dank für dieses Gespräch!

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Neues Buch über Qigong von Jumin Chen, Residenzverlag

Text und Bild stammen vom Verlag!

Der Weg zur Gesundheit
Medizinisches Qigong

Mit Lebensenergie zu körperlicher und geistiger Gesundheit

HARMONIE VON KÖRPER UND GEIST ist der Schlüssel zur Gesundheit. So einfach lässt sich das Prinzip der fernöstlichen Medizin zusammenfassen. Immer stärker setzt sich diese Erkenntnis auch in der westlichen Welt durch. Aus diesem Grund werden asiatische Methoden mittlerweile auch von der Schulmedizin eingesetzt. Qigong nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Ziel ist durch die Kombination von Atemübungen, Körper- und Bewegungsübungen, Konzentrations- und Meditationsübungen verborgene Kräfte zu aktivieren und zu Ausgeglichenheit zurückzu – finden. So wird Krankheiten vorgebeugt und die Lebensenergie erhalten. Yiquan ist ein gezieltes Training, um den Willen und die Fähigkeit zur Konzentration zu stärken.

Jumin Chen, Qigong-Meister, praktiziert seit Jahren sein Programm im gesamten deutschen Sprachraum: Ein einfaches Übungsprogramm zur Gesundheitserhaltung, das nun auch als Buch und DVD vorliegt. Wenige gezielte Übungen, richtig und regelmäßig angewandt, können erstaunliche Wirkungen haben.

Quelle: Residenzverlag; http://www.residenzverlag.at/?m=30&o=2&search_titles=jumin&id_title=1153

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Yi – Innen und Außen
Beim vierten Yiquan Ausbildungswochenende mit Jumin Chen ging es vor allem um die Verbindung zwischen Innen und Außen in der Vorstellungsarbeit. Im Yiquan wird die innere Struktur und die äußere Haltung von innen heraus mit Hilfe der Vorstellungskraft Yi entwickelt. Dies ist sozusagen das Gegenteil dessen, was vor allem westliche Taiji Schüler gewohnt sind, nämlich das präzise Reproduzieren äußerer Form. Während bei den Yangsheng Übungen im Gesundheitsbereich vor allem Yin-Vorstellungen wie schöne Landschaft, angenehme Atmosphäre, im Wasser liegen, warme Dusche, etc. eingesetzt werden, arbeiten wir beim Kampfkunst-Aspekt mit Yang-Vorstellungen wie Metallfedern, Bällen und Gummibändern. Im Qigong ist diese Methode als Jiajie bekannt. Dies bedeutet etwa „ausleihen“, man „leiht“ sich ein Material aus, um mit dessen Eigenschaften in der Vorstellung den gewünschten Effekt zu erzielen. Stellt man sich zum Beispiel in der Chengbao Position (Parallelstand, Ball halten auf Schulterhöhe) abwechselnd vor, einen Ball aus: Papier

•Holz
•Metall
•einen Luftballon
•einen Medizinball

zu halten, wird schnell klar, welche Wirkung diese Art der Vorstellungsarbeit hat.
Hier sind wir also schon bei der „inneren“ Vorstellung, die die Struktur sozusagen innerhalb der Körpersphäre bestimmt. Da wir hauptsächlich mit der Vorstellung von Metallfedern arbeiten, die sowohl auf Zug als auch auf Druck Widerstand bieten, wollen wir im Folgenden von den inneren Federn sprechen.

In der Hunyuan Zhuang Position (Schritt- oder Dingbabu Stellung, Ball halten, der vordere Ar ist höher als der hintere) haben wir hauptsächlich folgende innere Federn zu beachten:

•Zwischen den fünf Fingern
•Zwischen den Handgelenken
•Zwischen den Ellbogengelenken
•Zwischen den Knien
•Von der hinteren Hüfte zum vorderen Knie

Zusätzlich zu diesen inneren Federn müssen wir uns jetzt um die Verbindung nach außen mittels äußerer Federn kümmern. Dazu stellen wir uns Federn von den Handrücken (in Positionen, in denen die Fingerspitzen nach vorne zeigen denken wir uns diese an den Fingerspitzen fixiert) zu einem weit entfernten Objekt vor, etwa einem Baum, einem Berg oder Ähnlichem. Jetzt können mit der vorgestellten vor/zurück Bewegung mit dem ganzen Körper diese Federn gedehnt und zusammengedrückt werden, während gleichzeitig die inneren Federn ebenfalls auseinandergezogen und zusammengedrückt werden. Im Detail sieht das so aus:

Richtung nach hinten – äußere Federn mit ganzem Körper nach hinten dehnen, gleichzeitig innere Federn auseinanderziehen (Finger, Handgelenke, Ellbogen, beide Kniefedern).

Richtung nach vorn – äußere Federn mit ganzem Körper nach vorn zusammendrücken, gleichzeitig innere Federn zusammendrücken (Finger, Handgelenke, Ellbogen, beide Kniefedern).
Diese Vorstellungsarbeit wird sowohl im Zhanzhuang (Stehübung, kaum sichtbare äußere Bewegung) als auch im Shili („Kraftprobe“, große äußere Bewegung) angewandt.

Zusätzlich dazu kann die Vorstellung eines Baumes eingebaut werden. Man stellt sich vor, in einem hohlen Baum zu stehen. Der Baum bietet von außen rund um den Körper einen Widerstand. Durch diese Vorstellung wird ein Gefühl der Kompaktheit erzeugt.

Die Trainingsempfehlung für diese Verbindung von inneren und äußeren Federn lautet:
Zhanzhuang/Stehübung

•Hunyuan Zhuang

Shili/Kraftprobe

•Pingtui Shili (nach vorne stechen/ziehen), mit Schritten
•Gougua Shili (HF auseinanderziehen, nach vorne schieben), mit Schritten
•Fuan Shili (HF nach unten drücken, nach oben heben), im Stand
•Kaihe Shili (öffnen, schließen), im Stand
•Poshui Shili (HF nach unten auseinanderziehen, HF nach oben heben), im Stand

Der Schwerpunkt liegt bei den ersten vier Übungen, die Betonung bei der Kraftrichtung auf vor/zurück.

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