Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Therapie und Gesundheit’ Category

Am Anfang dieses Sommers, als es ja tatsächlich ein paar heiße Tage gab, trafen wir uns endlich einmal bei Thomas in Grabenstätt. Ja, wir haben auch gepusht, vor allem aber gegrillt, im Garten von Tomas und Verena (und zwar mit einem Dreifuß), und auch in der Sonne am Tüttensee, wo sich folgendes Gespräch entspann…

Stefan: Ich frage mich ja immer wieder warum Yoga im Vergleich zu den chinesischen Systemen so viel bekannter und populärer zu sein scheint. Was glaubt ihr woran das liegt?

Martin: Naja, ich glaube das hat schon geschichtliche Gründe. Yoga ist halt schon sehr früh nach Amerika und damit in den Westen gekommen. Das war damals in den Sechzigern, als man auf der Suche nach neuen Antworten erstmal nach Indien geschaut hat. Yoga ist deshalb schon lange bekannt.

S: Du beziehst dich jetzt auf die Hippiebewegung mit dem späteren New-Age und dem Human Potential Movement. Das stimmt, man hat aus einer gewissen Unzufriedenheit und spirituellen Leere Antworten in Asien und dort wohl zuerst in Indien gesucht. Damit hast du auch schon angesprochen, dass Yoga ja eigentlich ein spiritueller Entwicklungsweg ist. Die Frage ist, ob das heute noch so eine Rolle spielt. Ich kann mich erinnern dass ein ganz klassisches Buch über Yoga den Titel „Sport und Yoga“ hatte. Außerdem kann ich mich erinnern, dass in den frühen Publikationen oft die Wissenschaftlichkeit des Systems betont wurde. Ob man sich da schon an die westlichen Bedürfnisse anpassen wollte?

Verena: Und später wurde das halt auch durch die Stars in Hollywood bekannt, Madonna zum Beispiel.

M: Die Frage ist, was hat Yoga so wie es heute im Westen hauptsächlich unterrichtet wird noch mit dem eigentlichen Yoga zu tun.

S: Du meinst weil hauptsächlich Asanas gelehrt werden? Pranayama oder gar Dhyana (Meditation) spielen ja in den meisten Yogazentren eine geringe Rolle.

M: So wie ich das sehe wird da heute halt vor allem gestretcht und vom Streching, wie das so in den 80er Jahren populär wurde, wissen wir ja heute, dass das nichts bringt, eher noch schadet. Ich hab in meiner Praxis dauernd Leute mit Kapselrissen und überdehnten Bändern. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Eine alte Freundin von mir ist Yoga Lehrerin und arbeitet einfach ganz sanft, sie sagt immer, was die Leute brauchen ist nicht mehr Beweglichkeit sondern mehr Stabilität, sie lässt sie nicht so tief in die Posen reingehen und dafür relativ lange halten.

Thomas: Genau, das finde ich gut, dazu muss man halt oft Hilfsmittel wie Gurte oder Klötze verwenden. Iyengar hat das viel gemancht.

M: Ja, Iyengar war sehr genau und hatte wohl ein gutes anatomisches Verständnis. Wenn man dann noch die Vorstellungsarbeit von Yiquan reinbringt, dann wird’s interessant.

S: Das hab ich ja vor … 😉 Worin siehst du das größte Problem im heutigen Yoga Unterricht?

M: Eben in der Tendenz über die Grenzen zu gehen.

S: Ich habe das Gefühl, dass Yoga auch deshalb bei uns so gut ankommt weil es halt doch irgendwie so ein Leistungs-Ding aktiviert, obwohl es überhaupt nicht darum gehen sollte. Die Leute spüren, dass es körperlich anstrengend und schwierig ist und das kennt man von unserem westlichen Ansatz zu Sport oder Training. Und dann kommt halt einer bis zu den Zehen runter und die anderen wollen es auch schaffen, so auf die Art. Beim subtilen Qigong, wo es so sehr um Ruhe und feines Spüren geht, tun sich die Leute bei uns viel schwerer. Sie glauben dann wohl auch oft sie haben zu wenig getan, sich zu wenig angestrengt. Andererseits spüren sie sich zu wenig um gut auf sich zu achten und ihre eigenen Grenzen nicht zu überschreiten. Das ist sehr problematisch und schade, weil ich glaube, beim Yoga geht es eigentlich viel gerade darum, seine eigenen Grenzen zu akzeptieren.

T: Im Feldenkreis nehmen wir uns dafür vier Jahre Zeit. Es dauert vier Jahre bis die Leute das richtig spüren.

S: Jedenfalls werden die Dinge oft ziemlich anders interpretiert, bzw. entwickeln sich anders. Bei Taiji war das ja ähnlich, heute wissen viele Taiji-Übende gar nicht mal, dass es sich bei ihrem System um eine Kampfkunst handelt, oder lehnen das einfach ab. Das ist wirklich bedauerlich, auch Hendrik hat ja gesagt, es ist so eine schöne Kunst nur leider geht die Anwendung einfach total verloren. Ich weiss nicht recht was ich davon halten soll, ich bin da ja eher konservativ, andererseits muss man die Dinge auch lebendig halten und weiterentwickeln, das hat auch Wang Xiangzhai so gesehen, und wenn die Leute heute zum Yoga gehen weil sie wie Madonna auch mit fünfzig noch gut aussehen wollen ist das ja auch ok und wahrscheinlich ist der Effekt unterm Strich positiv.

M: Man muss da schon vorsichtig sein, bei manchen Leuten mach ich mir Sorgen wie es ihnen in zehn Jahren gehen wird. Ich hab in meiner Praxis auch immer wieder Leute denen ich sagen muss, dass sie das Laufen aufgeben sollen, die glauben sie halten sich fit, so wird das ja auch propagiert, aber in Wirklichkeit ruinieren sie sich die Gesundheit, es ist halt nicht alles für jeden geeignet. Was der Guru macht, der sich von klein auf mit seiner spirituellen Entwicklung beschäftigt, ist halt nicht unbedingt das Richtige für den Normalverbraucher.

T: Man darf nicht vergessen, dass das eben eine Vorbereitung auf dem Weg der spirituellen Entwicklung war. Jemand hat mal zu mir gesagt „die Erleuchtung geht nicht selten auf Kosten des Körpers und des Menschen“, das hat mir sehr zu denken gegeben.

S: So gesehen müsste man es ja modifizieren, aber halt nicht unbedingt in Richtung Leistung oder Akrobatik. Wie positioniert sich Feldenkreis da eigentlich?

V: Feldenkreis kann dir helfen, Körper und Bewegungen klarer wahrzunehmen. Kommt darauf an was du machst. Thomas hilft das halt sehr bei seiner Kampfkunst.

S: Das Gefühl hab ich auch bei Yiquan. Man kann das sehr gut in andere Sachen einbauen, nicht nur in Sport und Bewegung auch in Dinge wie Geige oder Klavier spielen. Es gibt einige Profi Musiker die davon sehr profitiert haben. Jumin hat das auch immer wieder betont. Und dann hat Yiquan ja auch den Vorteil, dass es positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat.

T: Der Untertitel von Jumin’s Buch ist ja auch „der Weg zur Gesundheit“. Ich denke mir, das gibt seine Richtung  vor.

S: trotzdem sollten wir nicht auf den Kampkunsthintergrund vergessen, sonst nimmt das eine ähnliche Entwicklung wie im Taiji. Mir kommt vor wir reissen hier jede Menge interessante Themen an. Hoffentlich gibt’s ein paar Kommentare auf dem blog!

Read Full Post »

bkfFilm- und Infoabend „Taoist Energy Arts“ mit Bruce Kumar Frantzis

Raum für Bewegung, Sonntag, 25. 01. 2009, 18:00h

Ein Überblick über Qigong und Innere Kampfkünste in China. Der Film dauert ca. 60 min und ist in Englischer Sprache. Anschließend besteht die Gelegenheit sich näher über das neue Kursprogramm zu informieren.

B.K Frantzis hat über 40 Jahre Erfahrung in Chi Gung (Qi Gong), Meditation und Kampfkunst.

Nach 16 Jahren Trainingserfahrung in Asien hat er ein sytematisches Übungssystem der taoistischen Lehren entwickelt.

1981 wurde er als einer von zwei Schülern des verstorbenen taoisten Liu Hung Chie angenommen.
1986 wurde er als Linienhalter des Systems von Liu Hung Chie ernannt. Liu beauftragte ihn damit Lao Tse`s Wasserlehre der taoistischen Meditation zu verbreiten.
Zwanzig Jahre Training waren eine Vorbereitung für das Training mit Meister Liu. 1961 begann B.Frantzis mit dem Training der Kampfkünste.
Bevor er nach Japan ging erreichte er Schwarzgurte in verschiedenen japanischen Kampfkünsten wie z.B. Karate, Aikido und Judo. In Japan trainierte er zwei Jahre unter dem Aikido Begründer Morihei Ueshiba.
Später führte ihn sein Training auch nach China und Indien. In Indien befasste er sich mit Yoga und tantrischen Praktiken.
In China lernte er von vielen grossen Meistern Tai Chi, Chi Gung, Kampfkünste und Tui Na.
Nach Liu`s Tod 1986 ging er zurück in die USA um zu unterrichten, was er gelernt hatte.

Read Full Post »

Beim Yiquan geht es viel darum, wie der Geist mit seiner Vorstellungskraft (Yi) den Körper beeinflusst. Roman Grasberger, der zurzeit die Yiquan Lehrer Ausbildung bei Jumin Chen absolviert, hat einige populärwissenschaftliche Literaturtipps zu den neurobiologischen Grundlagen dieser Vorgänge zusammengestellt.

Dabei handelt es sich nach seinen eigenen Worten „um verallgemeinerte Behandlung der Methoden/Themen welcher wir uns auch beim Yiquan bedienen“.

Manfred Spitzer – Geist im Netz
Gerald M. Edelman, Giulio Tononi – Gehirn und Geist
Joachim Bauer – Das Gedächtnis des Körpers
John C. Eccles – Wie das Selbst sein Gehirn steuert
Tor Norretranders – Die Wissenschaft des Bewusstseins
Humberto R. Maturana – Biologie der Realität
Joseph Ledoux – Das Netz der Persönlichkeit

Read Full Post »

truegongfu: Martin, du bist gerade aus Japan zurückgekommen. Was hast du dort gemacht?

Martin Wundsam: Ja, das stimmt. Ich war fast drei Wochen in Japan. Es ging hauptsächlich um Seiki aber wir hatten ein sehr dichtes und vielfältiges Programm.

T: Was ist das für eine Methode?

M: Seki ist eine Behandlungsmethode, die von Akinobu Kishi entwickelt wurde. Er war ein sehr erfolgreicher Shiatsu Therapeut und verdiente in den siebziger Jahren eine Menge Geld im Westen, vor allem in Frankreich. Mit fast 30 Jahren hatte er dann eine schwere persönliche Krise und zog sich nach Japan zurück, wo er intesiv shintoistische Rituale praktizierte. Dabei erlebte er ein 3 Tage andauerndes „Katsugen“, das sind unwillkürlicher Bewegungen die spontan auftreten. Er hatte zeitweise das Gefühl verrückt zu werden, spürte aber gleichzeitig, dass sein Geist immer klarer wurde.  Schließlich entwickelte er seine eigene Methode, die mit Shiatsu überhaupt nichts mehr zu tun hat.

T: Das ist interessant, dieses Katsugen kling ganz nach einem Phänomen das im Qigong als „spontane Qi Bewegung“ bekannt ist. Diese soll ebenfalls Blockaden beseitigen und zu Heilung führen. Kannst du uns die Methode näher erklären?

M: Wenn man Kishi bei der Arbeit zusieht ist das wirklich beeindruckend. Er kommt mit so wenig aus, es geht sehr viel um das Wahrnehmen.

T: Das erinnert mich an Feldtheorien. Ein Organismus beeinflusst den anderen und Zustände gleichen sich an. Der kranke Organismus richtet sich möglicherweise am Gesunden aus und strukturiert sich neu. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Phänomene auch in der Psychotherapie eine wichtige Rolle spielen. Es geht dabei wohl um Resonanz.

M: Kishi Sensei hat sich bis jetzt geweigert ein Buch zu schreiben oder eine Schule zu gründen, er möchte dass seine Methode lebendig bleibt, dass seine Schüler selbst Erfahrungen machen, lernen, ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.

T: So hat das auch Wang Xiangzhai, der Gründer des Yiquan gesehen. Er ermutigte seine Schüler immer zum Experimentieren und kritischen Denken. Fließen auch Kampfkunstelemente in seine Methode ein?

M: Es gibt keine direkte Verbindung aber Kishi’s Vater war Judo Champion. Außerdem steht Kishi der Omoto Sekte nahe, das ist ein Ablegers des Shintoismus, der traditionellen japanischen Religion. Interessanterweise war auch Ueshiba O Sensei, der Gründer des Aikido, bei Omoto. Außerdem haben wir Waraku geübt, das ist eine Kampfkunst die von Maeda Sensei, einem ehemaligen Karate Meister entwickelt wurde. Wir lernten einige Grundübungen, die auch mit sehr dicken Holzschwertern ausgeführt werden.

T: Du hast ja selbst längere Zeit Aikido geübt.

M: Ja das stimmt. Aikido ist eine rein defensive Kampfkunst die auf kreisförmigen Bewegungen basiert. Ueshiba war ein sehr spiritueller Mensch. Wir haben unter anderem in einem Dojo trainiert, in dem er auch schon unterrichtet hat. Das sagt schon was über den Stellenwert von Maeda Sensei, der hierzulande nicht so bekannt ist.

T: Ueshiba war ja während der japanischen Invasion in China. Manche Experten glauben, dass er dort mit Baguazhuang in Kontakt gekommen ist. Als ich das erste Mal Bagua gesehen habe hat es mich sehr stark an Aikido erinnert. Er hatte dort im Krieg in lebensbedrohlichen Situationen sehr starke spirituelle Erlebnisse. Aus seinem ursprüglich recht harten Aiki Bujutsu wurde dann das runde defensive Aikido, der „Weg der Harmonie“.

M: Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe übrigens auch sein Grab besucht.

T: Ihr habt also Seiki und Waraku geübt, was stand noch auf dem Programm?

M: Wir hatten ein sehr buntes Rahmenprogramm mit Kalligrafie, meditativer Kalligrafie, traditionellem japanischem Trommeln, Teezeremonie, No Theater und wir besuchten viele Schreine. Eigentlich war es ein bisschen wie eine Pilgerreise. Kishi führte uns zu einigen Plätzen die für ihn sehr wichtig sind. Dabei waren besonders zwei Schreine, bei denen ich spürte, dass es echte Kraftplätze waren.

T: War es dein erstes Mal in Japan?

M: Nein, ich war zuletzt vor 12 Jahren dort. Ich habe mich ja früher viel mit Shiatsu und Naikan beschäftigt. Japan ist schon ein tolles Land, die Badekultur, die gute Küche, das normale Essen ist ja für uns schon wie eine Entschlackungskur, das hab ich wirklich genossen.

T: Du arbeitest in Mattsee als Physiotherapeut und bist ständig auf irgendwelchen Fortbildungen. Kannst du uns kurz erzählen was dich sonst noch so beschäftigt?

M: Ich habe eine Praxis in Mattsee. Der Ort hier ist wirklich sehr schön, ich bin jetzt seit über zwei Jahren hier. Ich habe das Glück, dass Jumin Chen ganz in der Nähe wohnt und bin seit diesem Jahr in der Yiquan Lehrer Ausbildung die meistens in Seeham und teilweise in Mattsee selbst stattfindet. Außerdem beschäftige ich mich mit Body Talk und Nowo Balance. Und  ich bin kürzlich wieder Vater geworden.

T: Wie immer volles Programm. Es gäbe noch viele interessante Punkte um hier einzuhaken. Vielleicht können wir uns bei einer anderen Gelegenheit über weitere Themen unterhalten. Inzwischen danke ich sehr für dieses Gespräch!

Martin Wundsam – Bio

Dipl. Physiotherapeut, CBP

„Begegnung und Freiheit zulassen!“

Geboren 1965, aufgewachsen in Tirol, wohnhaft im wunderschönen Seengebiet nördlich von Salzburg.
Ich bin Vater von drei Kindern und im zweiten Anlauf glücklich verheiratet.

Nach einigen Komplikationen bin ich zu einem ganzheitlich arbeitenden Physiotherapeuten gewachsen:

Nach meiner Ausbildung zum Dipl. Physiotherapeuten folgten Jahre intensiver Auseinandersetzung mit Shiatsu, sowohl als Praktiker als auch als Unterrichtender.

Im Jahr 2000 begegnete mir NOWO BALANCE®. Mein persönliches und therapeutisches Bewegungsverständnis wurde dadurch grundlegend verändert.

Im Oktober 2006 lernte ich Akinobu Kishi Sensei und SEIKI kennen. Dadurch veränderte sich mein Verständnis von Berühren und Berührt – Werden.

BodyTalk begann ich im Juni 2006. Dadurch begann ich zu verstehen, wie wichtig Synthese und wie schädlich Ausschließlichkeitsdenken ist.

Mein eigener Bewegungs – Schleuderkurs bewegte sich von exzessivem Sport über Tai Chi, Do–In und Yoga zur Nowo Balance©. Seit dem Frühjahr 2006 übe ich regelmäßig Yiquan (wer weiß wo es noch hingeht…). Seit über 10 Jahren praktiziere ich mit wechselnder Intensität buddhistische Meditation.

http://www.bodytalksystem.com/bodytalk/professionals/details.cfm?id=12075

Read Full Post »