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Artikel veröffentlich in den Salzburger Nachrichten:

STEHEN WIE EIN BAUM

oder: keine Bewegung ist die Mutter aller Bewegungen

Viele Wege führen zur Fitness: Man kann sich in der Kraftkammer abrackern, in Laufschuhen seine Runden drehen. Man kann es mit Qigong, Taiji, Yoga, Pilates oder den fünf Tibetern versuchen. Immer jedoch ist, in Abstufungen, Bewegung nötig.
Anders beim Yiquan. Das klingt, richtig (I-Tschuen) ausgesprochen, wie ein Nieslaut. Und wenn freundliche Mitmenschen das mit „Gesundheit“ quittieren, haben sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Zumindest wenn man Meister Jumin Chen, der in Salzburg lebt und Yiquan im deutschen Sprachgebrauch lehrt, glaubt. Denn diese traditionelle chinesische Methode soll Geist und Körper fit halten, bei Beschwerden helfen und auch heilen.
„Eine kleine Bewegung ist besser als eine große Bewegung, keine Bewegung ist die Mutter aller Bewegungen“, sagt der Meister. Vom Schwitzen beim Sport hält Jumin Chen nicht viel. „Wenn man zwei Prozent Wasser verliert, sinkt die Leistung um 20 Prozent.“
Die Bewegung, die im Yiquan gelehrt wird, spielt sich im Kopf ab. Die Grundübung heißt denn auch : „Stehen wie ein Baum.“ Während der Körper im entspannt Stehen ruht, arbeitet der Geist, ist die Vorstellungskraft, chinesisch Yi, gefordert. Ein Beispiel: der Übende stellt sich vor vorn und und von hinten, der Oberkörper drückt jeweils dagegen. Ohne sich sichrbar zu bewegen, ohne spürbare Anspannung. Gleichzeitig verbindet die Hände, die auf Brusthöhe gehoben sind, eine imaginäre Stahlfeder. Die wird – nur im Geist – zusammengedrückt und auseinandergezogen. Anfänger halten das einige Minuten aus, Fortgeschrittene können bis zu einer Stunde und länger stehen. Wobei die imaginierten Bewegungen variieren und sich in insgesamt sechs Richtungen ausdehnen. Wang Xiahngzhai, der um 1930 Yiquan als innere Kampfkunst begründet hat, nannte es „ein kraftloses Training, um Kraft zu erwerben; Bewegungslosigkeit, um die Bewegung zu perfektionieren.“
Das „Stehen wie ein Baum“, eigentlich „Stehen wie ein Pfahl“ (chin.: Zhanzhuang), ist die Grund- und Basisübung. Tatsächlich gibt es auch weitere Übungsstufen, in denen sanfte Bewegungen – kombiniert mit Vorstellung – eine Rolle spielt. Und wer will, kann Yiquan auch als Kampfkunst erlernen. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, wie auch ein ungeduldiger junger Mann feststellen musste: „Wann tu ma boxen?“, wollte er am ersten Tag wissen. „Nicht im ersten Semester“, meinte Meister Chen lächelnd. Der junge Mann kam nie wieder.

NORBERT LUBLASSER

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Trotz aller Vorbehalte gegenüber sozialen Netzwerken im Allgemeinen und facebook im Speziellen sind wir jetzt auf facebook zu finden und laden alle Kampfkunstinteressierten zur Vernetzung ein! Einfach nach truegongfu suchen, vielleicht lerne ich auch noch mal wie man facebook bedient und vieleicht sogar wie man so ein Icon mit link einfügt, wie man das jetzt plötzlich bei so gut wie allen Firmenauftritten usw. sieht. Vielleicht hat ja auch jemand einen Tip…

Auch diesmal waren wir wieder im Schloss Mattsee zu Gast. Die Hochzeitssaison hatte begonnen und das zu diesem Anlass traditionelle Böllerschießen sorgte für eine passend kriegerische Atmosphäre. Morgens wurde auf dem Parkplatz vor dem Schloss geübt und am Sonntag konnte das Training dank herrlichem Wetter vollständig ins Mattseer Strandbad verlegt werden.

Morgentraining vor dem Schloss

Diesmal wurde viel Wert auf Partnerübungen gelegt, und zwar auch in Dreiergruppen mit einem Beobachter, um auch die optische Wahrnehmung zur Fehlerkorrektur zu schulen. Das Hauptthema war dabei die „Balance“, das heißt der Ausgleich von Kräften in alle Richtungen mit der Píng Héng Kraft. Wird etwa links am Ellbogen gezogen, so zieht der Ellbogen nicht gegen diese Kraft sondern die gesamte andere Körperhälfte zieht in die Gegenrichtung, also rechtes Knie, rechte Hüfte, rechter Ellbogen, rechte Schulter und Kopf nach rechts (und natürlich auch über die Kopffeder nach oben und unten!).

Dies Gegenkraft wurde auch im Zhanzhuang anhand von einigen neuen Vorstellungen geübt (siehe Trainingsplan unten).

Ein interessanter Exkurs in die Anatomie mit einer näheren Betrachtung typischer Muskelverkürzungen und Dysbalancen unterstrich wieder einmal die Vorzüge des Yiquan Trainings.

Fali

  • Xuanfa Fali: Die Bewegung entspricht der ersten Hälfte (ohne zurück nach vorne schieben) von Xuanfa Shili. Die Hände werden beim Ziehn kurz zur Faust geballt und diese am Ende der Bewegung wieder gelockert.
  • Zhuan Quan: Ein Faustschlag von unten nach oben, sozusagen ein upper cut. Dazu kommt die Gegenbewegung der anderen Hand mit dem Ellbogen nach hinten und die Schraubbewegung der Beine, die einen Schwerpunkt des letzten Seminars bildete. Dazu die Gewichtsverteilung:
  1. Aus Hunyuan Position mit 70% hinten
  2. vordere Faust nach oben 50/50
  3. hintere Faust nach oben 40% hinten (Gewicht mit Schraubbewegung vor verlagern).

Schritttechnik

  • weiter Schritt, hinteren Fuß beiziehen und kurz balancieren. Der nächste Schritt ist in beide Richtungen möglich.
  • weiter Schritt, hinteren Fuß nachziehen in Dingbabu. Auf richtige Gewichtsverteilung 60-70% hinten achten!

Zhan Zhuang:

  • Chengtuo Zhuang

(Pingbu)
< 10 Minuten
(Dingbabu)
< 10 Minuten / Seite

Vorstellung:

1. Unter dem Wasserfall stehen

2. Einen Papierball halten

3. Einen Holzball halten

4. Abwechseln zwischen Papier- und Holzball

5. Diagonale Federn zwischen rechtem Zeigefinger und linker Augenbraue, linkem Z’eigefinger und rechter Augenbraue auseinanderziehen und zusammendrücken

6. Nach vorne (innen, oben) drücken, nach hinten (aussen, unten) ziehen

7. Shun Li Ni Xing (Gegenrichtung)
—————————
Shili:

  • Zong›He Shili

(Zoubu)
< 10 Minuten

  • Xuanfa Shili

(Ohne Schritte)
< 5 Minuten / Seite

  • Piangua Shili

(Ohne Schritte)
< 5 Minuten / Seite

Thema: Balance (Kräfteverteilung)
—————————
Fali:

  • Xuanfa Fali

(Ohne Schritte)
< 2.5 Minuten / Seite

  • Zhuan Quan

(Ohne Schritte)
< 2.5 Minuten / Seite

Also immer am Ball bleiben 😉

Fotos von Thomas Bauer

Ein Bericht von Thomas Bauer.

„ Wenn Du nichts tust, hast du Zeit viel zu tun “
(Jumin Chen)

Seit nunmehr eineinhalb Jahren, genau gesagt seit dem 7. März 2008, läuft die erste Yiquan Lehrerausbildung durch Jumin Chen in Seeham bei Salzburg in Österreich. Seit dem sind zehn Kurse vergangen, womit die Halbzeit überschritten ist, und es an der Zeit ist ein Resümee zu halten.

Erste Yiquan Ausbildungsgruppe in Salzburg
Die Teilnehmer des ersten Jahrgangs der Yiquan Lehrerausbildung mit Meister Jumin Chen in der Mitte

Yiquan, eine im europäischen Raum noch relative unbekannte und wenig verbreitete Kampfkunst, wird seit mehreren Jahren vom chinesischen Meister Jumin Chen zuerst in München, dann in Salzburg und nun auch in verschiedenen weiteren österreichischen, schweizerischen und deutschen Städten gelehrt. Aufgrund der starken positiven Resonanz auf die regelmäßigen Kurse in Form von Abend, Wochenend- und Wochenveranstaltungen, entwickelte Meister Chen eine Lehrerausbildung, die sich in achtzehn Wochenendseminare gliedert und über einen Zeitraum von drei Jahren erstreckt. Damit wollte er interessierten Schülern die Möglichkeit bieten diese Kampfkunst strukturiert und in allen Einzelheiten zu erlernen und ermöglicht dadurch eine stärkere Weiterverbreitung des Yiquan.

Yiquan unterscheidet sich von anderen Kampfkünsten im Wesentlichen durch zwei Aspekte.

Zum Einen entwickelt sie die innere Kraft über den Weg körperlicher Entspannung und geistiger Vorstellungsarbeit. Der Großteil des Trainings besteht aus Zhanzhuang- (Stehen wie ein Baum) und Shili (Fühlen der Kraft in der langsamen Bewegung). Beides sind Übungen, bei denen ohne jegliche äußere, muskuläre Kraftanwendung nur durch Vorstellungsarbeit die Kraft im Körper erspürt und entwickelt wird. Diese Art von Übungen lassen einen außen stehenden Betrachter vermuten der Übende würde nur untätig „herum stehen“; in Wirklichkeit leistet er intensive und konzentrierte geistige Arbeit, die dazu führt, dass er seine Kraft, Aufmerksamkeit und Beweglichkeit schult und damit verbunden seinen gesamten Gesundheitszustand deutlich verbessert. Von diesem Prinzip des Trainings durch Vorstellungsarbeit rührt der Name Yiquan, der mit Geistkampfkunst übersetzt werden kann.

Das zweite wichtige Unterscheidungsmerkmal ist das vollständige Fehlen von festgelegten Übungsformen wie sie aus dem Taiji Quan, Karate, Taekwon-Do, etc. bekannt sind. Der Yiquan Schüler übt aus einem großen Repertoire an einzelnen Vorstellungen, Haltungen und Bewegungen, die er nahezu beliebig aneinander reiht und kombiniert. Im Kampf führt das dazu, dass einer Aktion des Gegners eine natürliche, spontane Reaktion, bzw. (Gegen-)Aktion folgt anstatt einer einstudierten, vorgegebenen Antwort. Ziel des Yiquan ist es somit die natürlichen Reflexe und Kampffähigkeiten zu entwickeln, wodurch eine größtmögliche Schnelligkeit im Kampf erreicht wird.

Aufgrund der vielen Entspannungs- und Konzentrationsübungen, die tief in den Körper und dessen Funktionen hinein wirken, ist Yiquan in hohem Maße gesundheitsfördernd und wird deshalb auch vielfach praktiziert, ohne dass das Ziel eine Kampfkunst zu erlernen im Mittelpunkt steht. In Österreich werden entsprechende Kurse deshalb auch von Krankenkassen unterstützt und bezuschusst.

Neben den beiden bereits erwähnten Übungsarten des Zhanzhuang und Shili werden noch vier weitere Kategorien geübt nämlich Mocabu (Schrittübungen), Fali (die Kraft explodieren), Tuishou (schiebende Hände) und Sanshou (freier Kampf). Während Zhanzhuang, Shili, Mocabu und Fali Solotraining darstellen, werden Tuishou und Sanshou mit Partner geübt und dienen dazu das Erlernte im Kampf zur Anwendung zu bringen.

Somit liegt mit Yiquan ein in sich abgeschlossenes System vor, das sich dadurch auszeichnet, dass es sich auf die wesentlichen Aspekte der inneren Kampfkunst beschränkt, und befreit ist von allen Elementen, die schmückender, füllender oder esoterischer Natur sind. Natürlich sind auch in anderen Kampfkünsten Fali- und Tuishou-Übungen zu finden, allein der Weg dorthin ist diesen Kampfkünsten ein völlig anderer.

Die Ausbildung zum Yiquanlehrer hat zum Ziel, den Schülern dieses System durch einen systematischen Aufbau, beginnend mit Entspannungsübungen über das Erspüren und Weiterentwickeln der inneren Kraft bis hin zur äußeren Anwendung dieser Kraft, zu vermitteln.
Damit verbunden ist die Erarbeitung eines theoretischen Grundwissens über das Yiquan und verwandter Wissensgebiete (z.B. Anatomie, Auswirkung auf die Muskulatur, Skelett und Nervensystem, chinesische Philosophie und Geschichte, etc.). Die Schüler erwerben Kenntnisse in der Trainingsgestaltung und der Anwendung des Yiquan in der Therapie und sind nach bestandener Abschlussprüfung in der Lage sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene eigenständig zu unterrichten.

Der gesamte Lehrgang ist grob in drei Blöcke gegliedert:

  1. Grundstufe mit Schwerpunkt auf dem Gesundheitsaspekt. Durch das Erlernen von grundsätzlichen Prinzipien der Entspannung, Haltung, Bewegung und der Vorstellungsarbeit werden die wesentlichen Inhalte des Yiquan verinnerlicht, die innere Kraft erspürt und somit der Grundstock für gelegt die nächsten Stufen gelegt.
  2. Mittelstufe mit dem Ziel die Grundprinzipien weiter zu vertiefen, Anspannung in der Entspannung zu erfühlen bzw. das schnelle Umschalten zwischen Entspannung und Anspannung zu erlernen und die Kraft nach außen wirken zu lassen.
  3. In der Hauptstufe schließlich werden die bereits erlernten Fähigkeiten dahingehend weiterentwickelt, dass sie im Kampf mit einem Gegner angewendet werden können.

In der laufenden Ausbildung wurden neben dem intensiven Training der Grundübungen – Zhanzhuang in der Gesundheits- und in der Kampfstellung (Hunyuan Zhuang), sieben von insgesamt zwölf Shili Übungen sowohl im Stehen als auch in Verbindung mit Mocabu – auch schon erste Fali und Tuishou Übungen praktiziert. Somit wurde der Schritt von der reinen gesundheitsorientierten Anwendung hin zur Anwendung im Kampf bereits eingeleitet. Einzig Sanshou, der freie Kampf, bleibt der Hauptstufe vorbehalten. Mit  jedem Seminar wurden viele neue und spannende Aspekte und Übungen vermittelt, die im eigenen Training zuhause weiter vertieft werden und alle Teilnehmer sind jedes Mal aufs Neue erstaunt ob des intensiven Körpergefühls, das sich durch die immer feinsinnigeren Übungen einstellt.

Aufgrund der großen Nachfrage wurde bereits Ende 2008 die zweite Lehrerausbildung in Österreich gestartet. Die dritte begann am 18. Dezember 2009 in Winterthur (Schweiz).

Jumin Chen, der Leiter dieser Ausbildung ist einer der ersten Vertreter des Yiquan in Europa und hat  seinen Wirkungsschwerpunkt im deutschsprachigem Raum. Geboren 1964 in Jilin (China), lernte er schon als Kind in der Familie und von anderen namhaften Lehrern die Geheimnisse der verschiedenen Stile des Qigong und anderer innerer Kampfkünste. Ab 1985 unterrichtete er diese an einer Hochschule in China bevor er nach Europa übersiedelte und hier seit 1997 sein eigenes Institut in Salzburg leitet. Neben Yiquan unterrichtet er auch hier Qigong, Taiji Quan und Bagua Zhang.

Im dritten Ausbildungsjahr wird deutlich, dass sich die Inhalte immer mehr Richtung Anwendung und Kampfkunst verlagern. Nachdem wir am letzten Wochenende schon beim freien Training um sechs Uhr morgens eineinhalb Stunden am Stück gestanden waren ging es diesmal schon viel humaner zu. Zhanzhuang trat in den Hintergrund, die Übungen waren dynamischer und es wurde viel mit Partnern geübt.

Aus meiner Sicht waren die folgenden zwei Schwerpunkte festzustellen:

1. Vorstellungsarbeit zur Struktur

  • Kopf nach oben drücken (!)
  • Füße nach unten drücken (ergibt zusammen ein vertikales Auseinanderziehen)
  • Schultern sinken lassen
  • Ellbogen nach außen dehnen
  • Bauch nach hinten drücken
  • Becken nach vorne schließen
  • Finger nach vorne zeigen
  • (unteren) Rücken nach hinten drücken
  • Knie nach außen dehnen
  • Beine nach oben drücken

Diese Prinzipien wurden beim Stehen, Shili und Tuishuo geübt.

2. Drehbewegung

Die Drehbewegung oder Spiralbewegung, die vor allem bei Schlägen deutlich erkennbar ist wurde im Detail verfeinert und in verschiedenen Übungen mit und ohne Partner trainiert:

  • bei Cepi Shili
  • bei Zhiquan, dem (nicht so) geraden Faustschlag
  • bei Tui La, dem Schieben und Ziehen, das im Pushhands anwendung findet.

Zheng Pi Shili

Zhiquan

Tuila Partnerübung

folgende Punkte sind dabei wesentlich:

  • die hintere Hand kommt durch starke Hüftdrehung nach vorne
  • der hintere Fuß dreht auf dem Ballen, die Ferse kommt hoch, ähnlich wie bei einem Golfschlag, nur nicht so extrem
  • das Gewicht wird etwas nach vorne verlagert, aber nicht zu weit damit die Stabilität nach vorne gewahrt bleibt
  • wenn die Hüfte zurückdreht, geht der hintere Fuß zurück in Dingbabu Stellung
  • Gewicht wird zurückverlagert, der vordere Fuß drückt das „Bremspedal“
  • die Kopffeder wird noch etwas stärker nach oben gedrückt als in der vorderen Position

Von diesen dynamischen Übungen aus wurde die Verbindung der Drehbewegung mit der Drachenstellung (Xianlong) deutlich, nicht zuletzt bei einer Stellungswechselübung, bei der von Dingbabu durch Drehung in Hunyuan Zhuang gewechselt wird, eine Bewegung, die sich in die Drachenstellung logisch verlängern lässt.

Abgerundet wurde das Programm durch verschiedene Schritte kombiniert mit Handtechniken, z.B. Gleitschritt vor/zurück, Drehschritt, Zhengpi mit Schritt, Doppelschritt mit seitlichem Öffnen und Vordringen.

Ein interessanter Beitrag von Thomas Bauer reflektierte die Prozesse beim Lernen in einem stufenförmigen Modell, hier beschrieben von der untersten Stufe aufwärts:

unbewusste Inkompetenz:

es gibt etwas, aber ich weiß noch nichts davon. Z.B. es gibt Yiquan, aber nicht in meinem Land, daher kenne ich das nicht.

Jumin bezeichnet diese Stufe als „ohne Xing (Form), ohne Yi (Vorstellung)“

bewusste Inkompetenz

ich weiss jetzt, dass es z.B. Yiquan gibt, aber ich habe noch nichts gelernt. Ich lerne etwas Neues. Mit Xing, ohne Yi.

bewusste Kompetenz

ich habe etwas gelernt und beachte allen wichtigen Punkte um es richtig zu machen. Z.B. ich stehe in Hunyuan Zhuang und achte auf alle Federn etc. Laut Jumin: „vergessen Xing“, mit Yi.

unbewusste Kompetenz

ich beherrsche etwas ohne darüber nachzudenken. Wenn jemand mich fragt wie es geht, muss ich es erst einmal tun und nachsehen was ich da eigentlich tue. Laut Jumin: ohne Xing (Form), ohne Yi (Vorstellung).

Das Problem ist, dass es auf der höchsten Stufe keine Weiterentwicklung mehr gibt. Ich muss wieder zurück auf die zweite Stufe, damit ich mich weiterentwickeln kann. Z.B. wenn ich bereits Englisch spreche, kann ich zusätzlich einen schottischen Dialekt lernen um mich weiterzuentwickeln.

Möglicherweise ist Yiquan ein offenes System, das ein immer tieferes Verständnis und damit auch eine theoretisch endlose Weiterentwicklung ermöglicht. Zumindest scheint das die Intention von Wang Xiangzhai gewesen zu sein, der seine Schüler immer ermutigte, selbst zu forschen und die Methode weiterzuentwickeln. Deshalb weigerte er sich auch eine starre Technik festzulegen. Das Dilemma ist, dass man zumindest eine grob skizzierte „Methode“ oder „Technik“ braucht, um überhaupt mit der Übung beginnen zu können. Wann immer wir aber nach einer Methode üben ist es eigentlich falsch. Ein radikaler Ansatz!

Neuer Yiquan Kurs!

Es gibt noch freie Plätze im neuen Yiquan Kurs!

Sonntags 18-19h

Raum für Bewegung, Jayoga

Andechsstrasse 48, Innsbruck

nähere Infos unter Kursangebot, zum Schnuppern einfach vorbeikommen!

Achtung Terminänderung beim Qigong Kurs im SOS Kinderdorf:

28. 10. und 04.11. fallen aus, Ersatztermine Montags 18:30h am 19. 10. und 09.11.!